Abschiedspredigt am 08.10.2023 von Pfarrer Hermann Weiß

Liebe Gemeinde, Schwestern und Brüder,

So begann ich über die Jahre, Euch/Sie zu begrüßen. Damit ist Beziehung zum Ausdruck gekommen. Diese Beziehungen zu einzelnen und zur Gemeinschaft hat getragen und gehalten. Vergelts Gott für allen Halt und alles Ertragen und Tragen in der doch lange gewordenen Zeit. Habe erst dieser Tage bemerkt, dass die Beauftragung als Pfarrer hierher durch den damaligen Bischof Walter Kasper genau auf den 08. Oktober 1996 datiert ist. Aber was sind schon 27 Jahre?! Viel und wenig.

Ich bitte um Entschuldigung, wo ich selbst nicht Halt und Hilfe war, weil ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt war und mit allem möglichen zweit und drittrangigem . Hätte so viel mehr tun können statt z.B. Fußball(VfB) im TV anzuschauen. Bitte, Gott, vergib mir. Vor 26 1/2 Jahren habe ich mit dem schönen Evangelium vom Weinstock und den Reben begonnen. Es sagt mir immer viel. Pastor Peter Wittenzellner von der methodistischen Gemeinde hat mir zur Investitur damals einen Rebstock geschenkt und wir hatten ihn an die Sonnenseite der Garage eingepflanzt. Er hat jahrelang nicht recht gezogen, aber ist jetzt die letzten Jahre übermäßig fruchtbar geworden.

Ja, es geht um die Fruchtbarkeit, um Wachsen und Reifen der Reben und um guten Wein statt sauren Reben.

Als ich bemerkte, welche Lesungen und Evangelium am heutigen 27. Sonntag im Jahreskreis dran sind, wollte ich sie nicht auf die Seite schieben, sondern will sie als Wort Gottes für diesen Abschied wahrnehmen. Der Prophet Jesaja und der Prophet Jesus selbst stellen die Verantwortlichen des Volkes Gottes in Frage.

Mir kommt dabei immer das Bild von Lukas Cranach in den Sinn, das in der evangelischen Kirche von Wittenberg hängt: Da ist auf der einen Seite dargestellt wie der katholische Teil des Weinbergs total verwüstet ist und auf der anderen Seite der evangelische wunderbar gepflegt erscheint und offenbar gute Früchte zeitigt. Der Weingarten ist tatsächlich kein katholischer und kein evangelischer, sondern – wenn überhaupt- des Herrn und die verfassten Kirchen ein lästiges Vehikel – im wahrsten Sinn lästig  - für den Herrn des Weingartens. Sein Sohn, der am Kreuz sich für uns alle hingegeben hat, ist unser aller Hoffnung durch seine Auferstehung. Der Apostel Paulus ist im kleinen Abschnitt des Philipperbriefes unverdächtiger Zeuge für diese frohe Botschaft: „Macht euch keine Sorgen, sondern bringt sie in jeder Lage flehend mit Dank vor Gott. Und der Friede Gottes, der alle Vernunft übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahren“. Ja, das ist unsere Hoffnung – für mich persönlich als Abschied nehmender Pfarrer, für die Gemeinschaft der Christen, für unsere Gesellschaft und für die Menschheit überhaupt. Er ist der Herr des Lebens, der Schöpfer und Erlöser, der Erhalter und Erbarmer. Gott sei Dank.

Und es macht Sinn, wenn wir uns an der Botschaft der Propheten und Jesu erinnern und uns daran orientieren, auch wenn sie manchmal so utopisch erscheint wie in der Bergpredigt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer und ein gebrochenes und zerschlagenes Herz wirst du nicht verschmähen. Durch die barmherzige Liebe wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe.

Ja, das ist meine Hoffnung: das Erbarmen, die Barmherzigkeit Gotte. Sie ist das große Geschenk des Schöpfers, der uns das Leben eingehaucht hat.

Das ist das Geschenk des Erlösers, der uns von Sünde und Schuld befreit hat und des Heiligens Geistes, der uns bewegt zu dem, was Paulus dann sagt: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebeswert ist, darauf seid bedacht. Und der Friede Gottes wird mit euch sein.“

Mir kamen diese Gedanken am Tag der deutschen Einheit…ein Tag, an dem wir nicht genug danken können, dass dieses Wunderbare geschah nach den Demonstrationen mit den Kerzen in der Hand, dass kein Blutvergießen passierte – ein weltpolitisches Ereignis, das für Zusammenhalt, für das Geschenk der Freiheit steht und für den Kampf der Völker um Demokratie.

Mich bewegen diese wunderbaren Ereignisse seitdem in der Frage: wozu ist die Kirche da? Es geht nicht um Äußeres, um Brand -und Sündopfer, wie es noch die Propheten erlebten. Übertragen auf uns heute: Es geht nicht zuerst um äußerlich schöne und geordnete Kirchen und Gottesdienste, sondern um Barmherzigkeit und das Leben der Menschen in Not und Bedrängnis, um Frieden für die Seelen und soziale Gerechtigkeit, um den Erhalt der Schöpfung und eine friedvolle Zukunft, anders ausgedrückt: um den  fruchtbaren Weinberg des Herrn. Dazu dienen die gepflegten Kirchen und Gemeindehäuser, die spirituell gestalteten musikalisch hochwertigen Gottesdienste und auch entsprechend vorbereitete Predigten.

Diese sollen helfen, gerade wenn Kriege ausbrechen, wenn es wenig Versöhnung gibt und wir trauern um sinnlose Toten. Ich bin froh, dass es einen AK Frieden gibt in Metzingen und einen AK Asyl. Ich bin froh, dass es Caritas, Diakonie und das Haus Matizzo gibt, aber auch Rathäuser, in denen welche Verantwortung tragen satt nur zu schimpfen.  Ich bin froh, dass es das Maultaschenessen der Kolpingsfamilie gibt und andere Initiativen, in denen ehrenamtliches Tun Gutes bewirkt.  Mag vieles klein erscheinen angesichts der großen Nöte in der Welt. Aber es ist wertvoll und wichtig.

Dem guten Papst Johannes XXIII., 2. Patron unserer Kirche in Riederich, wird ein Dekalog der Gelassenheit zugeschrieben, der so beginnt: „Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Nur für heute werde ich in der Gewissheit leben, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein , nicht nur in der anderen Welt, sondern auch schon in dieser. Und von Johannes Bosco, dem 1. Patron der Riedericher Kirche heißt es: „Halte dich an Gott. Mach es wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, auch wenn der Ast bricht. Denn er weiß, dass er Flügel hat. Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“.  Wunderbar, wenn das auch – wenigstens manchmal – von uns Menschen gilt.  Vergelts Gott. Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt zum letzten Gottesdienst in Riederich vor dem Umbau 23.07.2023

Sonntag 23.07.23

Predigt zum letzten Gottesdienst in Riederich vor dem Umbau (Les: Gen 28, 10-22a; Ev: Mt 7,21-29)

von Pfarrer Hermann Weiß

 

Abbruch

Es ist keine leichte Aufgabe, einen Altar zu entweihen und damit die Kirche zu profanieren. Haben doch hier über die Jahrzehnte seit der Weihe des Altars viele Gottesdienste stattgefunden, wo Gottes Gegenwart besonders spürbar war – bei Taufen, Erstkommunionen, Hochzeiten, Beerdigungen und bei ganz normalen Sonntagen und Werktagen. SEINE Zuwendung war gesucht worden und konnte empfangen werden - geistlich tiefe Ereignisse für einzelne, Familien, die Gemeinde.

Nun also ein Abbruch, dass ein Altar wieder ein einfacher Stein wird, den man zerschneiden kann. Das wird von manchen abgelehnt, verständlich, wenn

man bedenkt, dass sie noch selbst beim Aufbau mitgearbeitet haben, dass es ein großes Bedürfnis war, Heimat zu finden nach der Vertreibung, als viele hierhergezogen sind, als es ihnen wichtig und wertvoll war, Gottes Nähe zu finden.

„Die Kirche ist doch schön. Warum so ein Aufwand? für so viel Geld, das man anders einsetzen könnte? Ist das nicht unsinnig?!“

Ja, sie war mit viel Energie errichtet worden, mit viel Einsatz hat der Pfarrer und Mitstreiter in der ganzen Diözese Gelder gesammelt, mit Liebe ist sie gestaltet worden und eingeweiht. Nun ist sie aber in die Jahre gekommen: zum 60 jährigen Jubiläum war entdeckt worden: die Heizung ist marode, feuergefährlich, die elektrische Anlage nicht mehr gut. Wie bei einem alten Haus braucht es eine Ertüchtigung. Hundertausende Euro

sind notwendig geworden. Ist da nicht auch eine neue Einrichtung sinnvoll? Die Zeiten haben sich geändert und damit auch die Vorstellung, wie die Kirche innen aussehen sollte, damit sie ein Raum ist, der besser dem Leben heute und in der Zukunft dient?

Umbruch

Wir suchen ein neues Miteinander – nicht mehr die Trennung von Pfarrer hinter einem Riesenaltar und Gemeinde, die in starren Bänken kniet – oft weit vom Altar und voneinander entfernt. Besonders bei unseren „Gottesdiensten familiär“ ist es uns aufgefallen. Wir möchten die Möglichkeit schaffen für größere Nähe zum Geistlichen vorne und auch zur Gemeinschaft untereinander. Wir möchten, dass mehr Bewegung möglich ist, gerade auch für die jungen Generationen, Musik und Tanz, neue Formen des Gebetes, der Meditation. Flexiblere Gestaltungsmöglichkeit für kleine und größere Gruppen bis hin zu großen Veranstaltungen wie Konzerten. Wir hoffen, dass in den neuen Räumen neues Leben wächst, wenn der Altar näher an das Volk herangerückt ist, wenn die Gemeinde sich deutlicher um den Altar versammelt und als Volk Gottes sich empfindet, dass sie SEINE Zuwendung neu erfährt im Wort und Sakrament „von der Geburt bis zur Leich“, wie es Hans Dieter Hüsch ausgedrückt hat. Der Abbruch wird zum Umbruch.

Aufbruch

Jakob, einer der Patriarchen des Volkes Israel nach Abraham hat die Erfahrung gemacht, dass Gott da ist, wo er es gar nicht vermutet hat, dass sich der Himmel öffnete, als er auf der Flucht mitten in der Wüste am Boden liegend mir einem Stein unterm Kopf geschlafen hat. Im Traum sah er die Himmelsleiter, auf der Engel auf und niedergestiegen sind zwischen ihm und Gott. Er nahm den einfachen Stein, salbte ihn und als er später zurückkam, errichtete er daraus einen Altar, weil er sich sagte. Hier ist Bet-el, das Haus Gottes.

Es ist für mich ein großer Akt des Glaubens, des Vertrauens auf Gott, dass ER, der Unbegreifliche und Heilige, der Ferne sich ganz nah zu erkennen gibt, dass ER seiner Gemeinde entgegenkommt und das Volk Gottes ihn entdecken kann, wenn es ihn in allen Ereignissen des Lebens sucht.

Es ist auch ein Akt des Vertrauens in einer anders gewordenen Gesellschaft als vor 60/70 /80 Jahren. Die vertriebenen Menschen und Familien damals wollten einen heimatlichen Ort der Begegnung mit dem Geheimnis des Glaubens, dass sie nicht mehr nach Bempflingen oder Metzingen zu Fuß gehen mussten.

Der Gottesdienst am Sonntag war ihnen so wichtig, dass sie die Kirche gebaut haben in dieser Größe, damit alle Platz hätten.

Ob wir heute eine solche Kirche bauen würden? Bräuchten wir sie? Sicher nicht in dieser Größe. Höchstens mal bei einem Fest wie heute oder bei einer großen Beerdigung. Sonst täte es ein kleiner Raum. Viele sehen die Kirche nur von außen. Vielleicht ist sie ihnen wichtig, dass sie da ist, aber ich gebrauche sie - wie Weihbischof Kuhnle es beim 5o jährigen Jubiläum formuliert hat:  wie eine Tankstelle. Gut, dass sie da ist, aber ich brauche sie nicht unbedingt. Die massenhaften Kirchenaustritte zur Zeit sind ein sehr bedenkliches Zeichen, wie die Kirche künftig weiter bestehen wird.  Niemand weiß es.

Was wir mit dem Umbau der Kirche hier tun, kann also ein starkes Zeichen des Vertrauens sein, dass Gott auch weiterhin zu seinem Volk steht.  Es braucht eine  Erneuerung der Kirche.im Innenraum, aber auch im übertragenen Sinn: Nach der Bergpredigt Jesu sind diejenigen, die auf seine Botschaft hören und sich danach richten. Es sind diejenigen, die am Lebenshaus der Menschen von heute und morgen mit bauen. Hoffentlich  gibt es sie auch in der Zukunft. Denn ich meine, dass unsere Gesellschaft solche Christen braucht, die mitsorgen, dass der Zusammenhalt gegeben ist.

 

Ich glaube, hoffe und wünsche, dass der Abbruch zum Umbruch und zum Aufbruch führt.      

 

- Hermann Weiß -

Gemeindefest am 25 Juni 2023 St. Bonifatius – „Brenne in uns, Hl. Geist, und lass uns gemeinsam Schritte wagen“

Unser Gemeindefest steht im Zusammenhang mit unserer Kirche, die dem Hl. Bonifatius geweiht ist und dessen Namen auch unsere Kirchengemeinde trägt: St Bonifatius.

Ein schöner lateinischer Name: auf deutsch übersetzt: Wohltäter. Ich lade Sie ein, mit Blick auf ihn unser Gemeindemotto zu betrachten: „Brenne in uns , Hl. Geist, und lass uns gemeinsam Schritte wagen!“

Da hat einer wirklich für die Sache Jesu gebrannt. Es war ein Angelsachse, wie man damals die Engländer genannt hat, er war also kein Deutscher. Er trug ursprünglich den Namen Winfrid. So war er getauft und in ein Kloster eingetreten, Benediktiner geworden. Von England ging damals die Mission aus und wurden die Germanen mit dem christlichen Glauben bekannt gemacht. Winfrid war offenbar begeistert von der Botschaft Jesu und der Hl. Geist bewegte ihn, nach Deutschland aufzubrechen, um unsere Vorfahren mit den christlichen Glauben in Verbindung zu bringen und in ihren Herzen zu begründen.  Dieser christliche Glaube ist heute bei uns in Deutschland in Gefahr zu „verdunsten“, wie schon unser Bischof Georg Moser sagte und des halb eine Diözesansynode ins Leben rief, um miteinander zu überlegen, wie wir heute und in der Zukunft den Glauben weitergeben, wie wir vertrauensvoll die Botschaft Jesu annehmen, im Herzen tragen und weitergeben möchten. Das soll unser aller Wunsch sein, dass die Kinder, Jugendlichen, in der Beziehung zu Jesus Christus fest gegründet hoffnungsvoll leben können, dass wir friedliche Weg finden, und einen guten Zusammenhalt einüben. Hier brennt noch die Kerze von der Firmung, bei der die 40 jungen Menschen durch den Hl. Geist gestärkt wurden, um „connected“ zu leben, d.h. firm in fester tragfähiger Beziehung zu Gott und den Nächsten. Ja, „brenne in uns allen,  Hl. Geist!“ „Und lass uns gemeinsam Schritte wagen“. Winfried hat sich bewußt nach Rom gewandt – zu Fuß, zu Pferd, um sich den Segen und den Auftrag vom Papst zu erbitten. Und der Papst hat ihm den Namen Bonifatius gegeben, den er ab da immer benutzt hat. Und er wurde wirklich zum Wohltäter. Zusammen mit anderen Frauen und Männern, wie z.B. seiner Verwandten Lioba, haben sie geistliche Zentren aufgebaut hat, Klöster und Bischofsitze, Diözesen eingerichtet, um dem christliche Leben eine gute Ordnung zu geben, um das christliche Leben zu fördern. Wir stehen heute in der Situation, dass wir gemeinsam synodale Schritte wagen müssen, damit der Glaube bei uns wieder wachsen kann. Die deutsche Synode hat versucht, Handlungsschritte aufzuzeigen und wir haben in unserer Gemeinde miteinander in den Gottesdiensten der Fastenzeit und in den Matinees im Gemeindesaal überlegt, diese Schritte zu verstehen. Nun sind wir gespannt, was im Herbst bei der Synode der Weltkirche herauskommt. Ich hoffe, dass der Hl. Geist die gesamte Kirche synodale Wege führt, wie sie der Papst erhofft. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass die deutsche Synode von der Gesamtkirche wegführt. Es ist allerdings zu hoffen, dass in Rom die Anliegen aufgegriffen werden, dass sie nicht ungehört verhallen. Aus dem Vertrauen auf Gott Schritte wagen, das ist angesagt.  

Jede und Jeder kann sich fragen, wie wir christlich leben, ob wir überzeugend sind, wie wir leben, ob es Umkehr braucht, Veränderungen, Verwandlung und dass wir dann auch gemeinsam vorangehen. Es wirkt wenig überzeugend, wenn wir schimpfen auf die in Rom, auf die in Rottenburg, sie müssten doch das und jenes reformieren. Vieles ist da zu fordern, aber dann gilt es selbst aus dem christlichen Glauben zu leben, gemeinsam zu beten und zu handeln.   Bauen wir an der Gemeinschaft der Christen auch mit unseren evangelischen Mitchristen z. B.  wie bei der Nacht der Musik jetzt, mit der wir die Martinskirchengemeinde unterstützen, ihr Gemeindehaus zu renovieren und auf den neuesten Stand zu bringen.

Helfen wir zusammen, wenn im Herbst nach den großen Ferien die Vakanz beginnt, weil ich altershalber im Oktober in Pension gehe. Da hoffe ich, dass die Bonifatiusgemeinde sich bewährt, wenn z.B. der italienische Pfarrer und der kroatische Pfarrer Eucharistiefeiern übernehmen, wenn welche aus der Gemeinde bei Wortgottesdiensten vorstehen – Gott sei Dank schon sehr bewährt. Nehmen wir es an, wenn z. B. der 10.00 Uhr Hauptgottesdienst zeitlich verlegt werden muss, damit Don Richard ihn halten kann. Und feiern wir auch mal gemeinsam Gottesdienste mit den italienischen Gemeindemitgliedern, weil wir einfach auch gar nicht anders können und es sinnvoll ist, dass wir es gemeinsam tun. Ich bitte da um Offenheit um Beweglichkeit.

Lasst uns gemeinsam Schritte wagen: Es stehen nicht kleine Veränderungen bevor, wenn vor den Ferien zum letzten Mal in St. Johannes Riederich Eucharistie gefeiert werden kann, bevor der Umbau beginnt. Als wir das 60-jährige Jubiläum der Kirche dort begangen haben, hatte sich kurz vorher herausgestellt, dass die Heizung marode ist und auch die elektrische Anlage erneuert werden muss. Wir haben dann als KGR und im Riedericher Team beschlossen, die Kirche insgesamt innen umzubauen, um sie nicht nur technisch, sondern auch für künftige Gottesdienstgestaltung zu ertüchtigen. 

Der Altar wird in die Mitte der Gemeindeglieder gerückt. Die Gemeinschaft soll stärker erfahren werden können. Die Bänke werden entfernt und bewegliches Gestühl wird die Gemeinde besser um den Altar versammeln. Der Raum der Kirche wird wesentlich offener und neue Formen des Gottesdienstes können ihren Platz finden. Wir hoffen, dass mit dem Umbau sich neues Leben entfaltet.  

Zunächst aber wird der Altar entweiht werden im letzten Gottesdienst vor den großen Ferien und für 1 Jahr etwa werden dann keine Gottesdienste in Riederich sein können. Schon heute lade ich im Namen des Riedericher Teams ein, diesen Gottesdienst in etwa 1 Monat mitzufeiern und beim anschließenden Fest bei der Kirche mitzumachen. Und dann geht es los mit dem Umbau. Der Bauausschuss ist gerade bei der Vergabe der Gewerke. Aber auch ehrenamtlich wird einiges möglich sein zu gestalten.

Der Umbau ist für mich wie ein Sinnbild für den Zustand unserer Kirchengemeinde. Bis eine neuer Pfarrer nach Metzingen St. Bonifatius kommt, ist von der Leitung der Kirche in Rottenburg daran gedacht, dass unsere Kirchengemeinde sich rüstet für eine Seelsorgeeinheit mit der Kirchengemeinde St. Josef in Bad Urach.

Niemand weiß bis jetzt, wie das genau gut geht, aber das Seelsorgepersonal wird nicht größer, sodass Synergieeffekte entstehen sollen. Für uns heißt es auf jeden Fall zusammenzurücken und gemeinsam Schritte zu wagen. Bringen wir z.B. unsere spirituellen Stärken ein , z.B. unsere musikalischen Chöre. Freuen wir uns an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich ansprechen lassen, im geistlichen Gesang sich einzubringen in das Leben der Gemeinde.

 „Wo gesungen wird, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder“, heißt ein Sprichwort.  

Unsere muttersprachlichen Gemeinden führen uns vor Augen, dass unsere Gemeinde schon dadurch katholisch ist und als solche erlebt wird. Wir sind eine Gemeinschaft vieler Gruppen unterschiedlicher Prägung. Das kann eine Stärke und eine Schwäche sei. Eine Schwäche, wenn jeder nur auf sich schaut und seine Vorteile sucht, eine Stärke, wenn jeder nach den anderen schaut und sich um sie kümmert und die anderen mit dem beschenkt, was sie stark macht.

So kann sich Gemeinde entwickeln, entfalten. Ich hoffe, dass Gottes Geist ins vielen brennt und so gemeinsam Schritte gewagt werden können. Wir tun es aus dem Vertrauen auf Gott, der uns führt und leitet und der uns in die Welt gesandt hat mit einer frohen Botschaft.

Der hl. Bonifatius und die hl. Lioba mögen uns mit ihrem Geist bewegen und helfen, die wichtigen Schritte zu wagen. Amen.   

Predigt zu Lichtmess 2021, dem Fest der Darstellung des Herrn

Am 7. Februar wurde in St. Bonifatius und St. Johannes das Fest Mariä Lichtmess nachgefeiert.
Hier die Predigt von Pfarrer H.J. Weiss von diesem Sonntag.

Neben der Kerzenweihe wurde auch das Motto der Erstkommunion 2021 vorgestellt.

Hier finden sie das Tagesevangelium mit anschließender Predigt von Pfarrer Hermann J.Weiss

Der Heilige Geist bewirkt Heil und Frieden - Predigt Pfingsten 2020 - Auszug

Das Mandala vor unseren Augen.

Seit Ostern hängt in unserer Kirche an der Stirnwand wieder das Mandala von Irmingard Nagengast.

In der Mitte ist ein Lamm dargestellt. Kein Lämmchen zum Streicheln, sondern es steht aufrecht und hat ein Banner im Arm zum Zeichen des Sieges: Das „Lamm Gottes“, Jesus Christus, hat am Holz des Kreuzes sein Leben für uns Menschen hingegeben und hat in seiner Auferstehung den Tod überwunden. ER ist die Mitte, von der alles Leben ausgeht.

Seine Frohe Botschaft haben die vier Evangelisten – dargestellt in den Kreisen um das Lamm in der Mitte – Markus (Löwe), Lukas (Ochse), Matthäus (Engel) und Johannes (Adler) niedergeschrieben, um die Menschen daran teilhaben zu lassen.

Von IHM gehen die Quellen des Heils aus in alle Welt – angedeutet in den blauen Strömen nach außen.

Im äußersten Ring sind Flammen des Heiligen Geistes dargestellt. Von oben gießt sich Gott selbst in seiner Liebe aus und entflammt Kerzen. ER ist da für seine Schöpfung, für uns Menschen. Sieben weitere Flammen weisen hin auf die sieben Sakramente der Kirche.

Als erstes die Taufe: im geistlichen Ereignis feiern wir die Zuwendung Gottes, die Erlösung bewirkt von der Erbsünde, die das Leben erneuert und dafür stärkt. Wie die Fische im Wasser dürfen wir im „Meer der Erbarmungen“ schwimmen.

Foto: Ingrid Hermann

Als zweites das Sakrament der Versöhnung: der barmherzige Vater nimmt uns Menschen wieder auf. ER heilt und heiligt sein Volk, das sich nach den zwei Tafeln des ewigen Bundes, den zehn Geboten richten will, damit das (Zusammen-)Leben gelingt.

Als drittes die Kommunion: In Brot und Wein empfangen wir die Gemeinschaft mit Jesus Christus und werden gestärkt zum neuen Leben als Christen und als christliche Gemeinde. ER dient uns in der Vergebung der Sünden und in seinem Frieden.

Als viertes Sakrament die Firmung: In der Salbung mit Chrisam wird die Taufe erneuert und der (junge) Mensch bestärkt zum sinnvollen Leben.

Das fünfte Sakrament der Ehe wird in den verschlungenen Eheringen symbolisiert: Der Heilige Geist wirkt Zuversicht und Freude in guten und schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit, in Freude und Leid einer Familie.

Im Sakrament der Priesterweihe sagt der Geist Beistand zu, dass die Verkündigung der frohen Botschaft gelingt und die heilvollen Zeichen der Sakramente ihre Wirkung entfalten.

Im siebten Sakrament werden Kranke gesalbt, dass sie in ihren Nöten und Gebrechen erfahren: Ich bin nicht alleingelassen. Gott hilft mir. Von ihm empfange ich Heilung und Bestärkung, auch diese schwere Zeit zu meistern, und sei es gar das Sterben.

Wir wünschen Ihnen in der Betrachtung dieses Mandalas
spürbare Erfahrungen mit dem uns geschenkten Heiligen Geist.

Friedens-Gottesdienst am 17. November 2019 in der Martinskirche Metzingen

Karin Berkemer

  1. „Frieden ist für mich …“,

….daß ich nachts gut schlafen kann. Weil ich keine Angst haben muss, ob meine Familie, Freunde, Verwandten, Bekannten und Nachbarn diese Nacht überleben werden und weil ich die Gewissheit habe, dass mein Haus auch noch am nächsten Morgen steht. Für uns, die wir hier schon seit fast 75 Jahren in Frieden leben, eine Selbstverständlichkeit. Für Millionen Menschen, die in Kriegsgebieten leben, ist diese Sicherheit leider nicht selbstverständlich.

  1. „Für ein Klima des Friedens braucht es …“ 

… jedoch mehr, als „nur“ das sogenannte „Schweigen der Waffen“, damit wir nachts gut und sicher schlafen. Ohne Gerechtigkeit kann es keinen Frieden geben. Gerechtigkeit – Frieden – Bewahrung der Schöpfung => diese drei Begriffe der Ökumenischen Versammlung in der damaligen DDR vor über 30 Jahren sind nachwievor hochaktuell und gehören zusammen. Genauso wichtig ist aber auch das Friedensklima in unserer Gesellschaft, wie wir in Zeiten von Hetze in den sozialen Netzwerken und der rasanten Verbreitung von Fakes miteinander umgehen

  1. Und weil für mich beide Aspekte des diesjährigen Mottos „Friedensklima“ wichtig sind, habe ich auch zwei Bibelstellen ausgesucht:

 Zur Gerechtigkeit als Voraussetzung für Frieden fallen mir die Worte des Propheten Amos ein „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5, 24). Und zum friedensstiftenden Umgang untereinander ein paar treffend formulierte Worte aus dem Epheserbrief „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“ (Epheser 4, 29)

 

 

Ulrich Fiedler

  1. „Frieden ist für mich …“

… wenn Menschen füreinander da sind. Egal ob in einem globalen Kontext, in der Familie oder eben in einer Gemeinde- oder Stadtgesellschaft.

Wenn die Menschen sich um andere bemühen, um deren Sorgen, um deren Wohlergehen, um deren Denken und Handeln.

Wenn Menschen füreinander da sind und nicht gegeneinander.

  1. „Für ein Klima des Friedens braucht es …“

… Interesse, Toleranz, Nachgeben und Nachdenken, Empathie, die Fähigkeit zu verzeihen und zu vergeben und zuallervorderst die Liebe.

 

  1. „Dazu fällt mir folgender Bibelvers ein: …“

…“Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.“

An verschieden Stellen in der Bibel lesen wir von der Nächstenliebe und für mich ist sie einer der wichtigsten und meinen persönlichen Glauben tragenden, mein persönliches Handeln prägender Grundsätze und Werte christlichen Glaubens.

Ich denke nur wer sich der „anderen“ in ihrer Besonderheit annimmt, und versucht diese in ihrer ganz individuellen Situation zu verstehen, wird es schaffen, Ausgleich, Miteinander und damit Frieden zu gestalten.

In Zeiten zunehmender Egoismen, Selbstsüchten und eines stetig wachsenden Anspruchdenkens tut es Not, sich immer wieder auf das Wesentliche, auf grundlegende Werte unseres Zusammenlebens zu besinnen. Nur wer den Nächsten liebt kann mit diesem friedlich zusammenleben.

Für mich ist das der höchste Wert, das für mich höchste Gebot meines christlichen Glaubens.

 

Hermann Weiß:

  1. „Frieden ist für mich …“

…ein großes Geschenk und eine große Aufgabe.

 

  1. „Für ein Klima des Friedens braucht es …“

…Respekt vor der Würde jedes Menschen. Da ich glaube, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist, von ihm beim Namen gerufen, also ins persönliche Leben, möchte ich jedem mit Anstand entgegenkommen und auch dem Ansehen geben, den ich (noch) nicht kenne, gerade dem. Gerade das Fremdsein des anderen birgt eine gewisse Gefährdung in sich, weil ich vielleicht meine, der andere sei mir nicht freundlich gesinnt und ich deshalb meine, ihn abwehren zu müssen. Deshalb gilt es, die Scheu zu überwinden und auf den Nächsten zuzugehen, um mit ihm zu sprechen.

Wichtig ist mir, dass andere nicht herabgesetzt werden. Ein böser Witz gegenüber anderen kann die Atmosphäre des Zusammenlebens schwer stören, gar zerstören. Dagegen will ich aufstehen. Ein Mensch anderer Meinung, anderer Religion, anderer Hautfarbe usw. hat so viel wert wie ich. Ja, ich möchte ihn höher einschätzen als mich selbst. Ich möchte dankbar sein, dass er mir begegnet.

Und wenn mir jemand offensichtlich feindlich gesinnt ist, möchte ich versuchen, ihm freundlich entgegenzukommen, zu grüßen, zu sprechen, eventuell bewusst auch auseinander zu setzen, zu streiten und darauf aus zu sein, eine Verständigung zu erreichen. Manchmal bin ich aber auch nur perplex und kann nur still werden.     

Im Übrigen möchte ich eintreten für Abrüstung in unseren Gedanken, in unseren Worten, in unseren Werken. Und es wäre mir recht, wenn wir öfter für Frieden demonstrieren, wenn wir uns Zeit nehmen würden, gemeinsam dafür auf die Straße zu gehen.

Dafür ist mir Rainer Schmid * zu einem prophetischen Zeichen geworden.

(* Anmerkung: Rainer Schmid war in Metzingen ehem. evangelischer Pfarrer zur Anstellung, erhielt im März 2019 den Amos-Preis und referierte Ende Oktober 2019 in Metzingen im Rahmen der Friedenswochen zum Thema „Damoklesschwert Atomwaffen – was können wir für ihre Abrüstung tun?“)

 

  1. „Dazu fällt mir folgender Bibelvers ein: …“

…“Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie, sondern Christus ist alles und in allen. Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Frieden Christi triumphiere in euren Herzen.“ (Kol 3, 11-15a)

 

 

Alfred Koppitz

  1. „Frieden ist für mich …“

… wenn jeder ohne Angst leben kann.

  1.  „Für ein Klima des Friedens braucht es …“

… Gerechtigkeit.

  1. „Dazu fällt mir folgender Bibelabschnitt ein:…“

….„Das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg.“

Es ist eine Beschreibung der damaligen Arbeitswelt.

Es war eine Welt der Tagelöhner. Heute musste das Geld verdient werden, um für morgen die Familie zu versorgen.

Das Gleichnis berichtet, alle Tagelöhner kommen früh morgens, aber es finden nicht alle Arbeit.

Die einen haben Glück und können morgens beginnen. Sie arbeiten den ganzen Tag, haben dafür die Sicherheit, Brot für den nächsten Tag kaufen zu können.

Die anderen warten den ganzen Tag, fast schon verzweifelt, um Arbeit zu bekommen. Zur letzten Stunde, kurz vor dem Feierabend, werden sie eingestellt.

Die Überraschung kommt bei der Lohn-Auszahlung.

Der Weinbergsbesitzer lässt jedem den gleichen Lohn ausbezahlen - genau das, was jeder für seinen Lebensunterhalt benötigt.

Das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, macht sich bei den Arbeitern der ersten Stunde schnell breit.

Darauf erklärt der Besitzer des Weinbergs: Ich habe nicht unrecht getan, du hast bekommen was wir vereinbart haben.

Und er stellt eine provozierende Frage: Siehst du darum scheel, weil ich so gütig bin?

Oder mit anderen Worten: Warum kannst du dem anderen meine Großzügigkeit nicht gönnen?

Eine Frage, der wir uns auch heute stellen müssen.

Ich glaube Frieden kann nur entstehen, wenn wir dem Anderen, dem Nachbarn, dem Fremden, dem Unbekannten das gönnen, was er für sein Leben benötigt und wenn wir seine Bedürfnisse achten.

 

Hubert Schirmer:

  1. „Frieden ist für mich …“

…jedem Gerechtigkeit widerfahren zu lassen:

Ob reich oder arm

Ob Mann oder Frau

Ob Christ oder Muslim

Ob weiß oder farbig

Ob Kind oder alter Mensch

  1. „Für ein Klima des Friedens braucht es …“

…Vertrauen

Vertrauen in sich selbst und den Anderen

Und Liebe

Nächstenliebe darf nicht nur ein schnell über die Lippen kommender Begriff sein, sondern muss leben und praktisch werden.

  1. „Dazu fällt mir folgender Bibelvers ein:…“

… „so lange bis über uns ausgegossen wird der Geist aus der Höhe. Dann wird die Wüste zum fruchtbaren Lande und das fruchtbare Land wie Wald geachtet werden.  Und das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande.  Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird ewige Stille und Sicherheit sein, dass mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe.“ (Jes. 32, 15-18)

 

Martin Winter:

  1. „Frieden ist für mich …“

… mehr als die Abwesenheit von Gewalt und Krieg.

Frieden ist für mich „Leben und Leben lassen“!

Der Friedensnobelpreisträger A. Schweitzer hat es einmal so formuliert: „Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will.“

--- „Leben und leben lassen!“ – der Friede ist bedroht.

Neulich hatte ich eine Schwarzweißfotografie in der Hand – darauf bin ich als 13-jähriger Junge zu sehen, wie ich mit meinen Freunden zusammen vor dem Auerhahngehege stehe.

Das ist Geschichte – bald im doppelten Sinn: Ich höre, dass der Auerhahn wahrscheinlich bald ausgestorben ist.

Und der Auerhahn steht stellvertretend für über 100 Tier- und Pflanzenarten … täglich!

  1. „Für ein Klima des Friedens braucht es …“

…Umkehr! Dass wir Menschen umkehren von unserem Wahnsinnsweg des „Immer Mehr!“!

Und es braucht eine Atmosphäre gegenseitiger „Wahr“-Nehmung und Sich-Gelten-Lassen – und zwar auf die gesamte Natur bezogen.

  1. „Dazu fällt mir folgender Bibelvers ein: …“

…„Die Güte des Herrn ist’s, dass wir noch nicht gar aus sind.“ (Klgl Jer 3,22)

Friede ist möglich! Es muss nicht sein, dass wir uns und unserer Welt den Garaus machen. Noch haben wir Zeit und viele Möglichkeiten – Gottes Gnade und Güte hält uns das Tor zum Frieden offen.

Aber wir müssen ihn auch wollen – den Frieden.

Und wir müssen auch bereit sein, etwas zu tun und zu verzichten – für den Frieden.

Wir: die Menschheit – und jede und jeder für sich.

Tun wir also je für uns, was in unserer Macht steht – und legen das Große-Ganze in Gottes Hand.

Ja, tun wir das uns Mögliche – mit voller Energie!

Und beten und hoffen wir – was das Zeug hält – dass Friede werde.

Fürbittengebet:

Karin Berkemer:

Gott des Friedens,

wir danken Dir, dass wir in unserem Land seit 75 Jahren ohne Krieg leben dürfen – und denken gleichzeitig an die vielen Krisenherde und Kriegsgebiete in dieser Welt, an die Menschen, die so viel aushalten und durchmachen müssen. All das unsägliche Leid und die grauenhafte Zerstörung bringen wir vor Dich. Und bitten Dich hilf uns, Frieden zu stiften.

Wir bitten Dich: „Gib Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Ulrich Fiedler:

Gott der Liebe,

wir danken Dir für den Zusammenhalt und die Solidarität, die wir in unserer Gesellschaft erleben – und leiden gleichzeitig darunter, dass Gleichgültigkeit und Egoismus so um sich greifen.

Bei Dir, Gott, ist die Quelle – mach Du die Liebe stark. Hilf uns und allen Menschen, selbstlos und selbstverständlich füreinander da zu sein.

Wir bitten Dich: „Gib Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Hermann Weiß:

Gott, Schöpfer des Lebens,

wir danken Dir, dass Du uns Leben schenkst. In jedem Einzelnen sehen wir Dein Ebenbild und Deine Würde. Aber wie oft werden Menschen abqualifiziert und lächerlich gemacht. Wie oft wird ihre Würde mit Füßen getreten.

Wir bitten Dich um Respekt voreinander. Hilf uns, den Andersartigen und Fremden nicht als Infragestellung zu erleben, sondern als eine Bereicherung.

Wir bitten Dich: „Gib Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Alfred Koppitz:

Barmherziger Gott,

wir danken Dir, dass Du uns Deine Liebe und Güte schenkst … im Überfluss und noch bevor wir irgendetwas geleistet haben.

Aber wir erleben, wie Menschen oft kleinkariert und missgünstig miteinander umgehen. Wir bitten Dich: Gib der Großzügigkeit Raum. Und hilf uns, den andern Deine Großzügigkeit zu gönnen.

Wir bitten Dich: „Gib Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Hubert Schirmer:

Gerechter Gott,

wir danken Dir, dass Du uns zeigst, welche Wege zum Leben führen. Deine Gebote helfen uns, gut miteinander umzugehen. Aber wie oft wird das Gewissen beschwichtigt. Wie oft das Recht zurecht gebogen. Und wie schamlos werden Gesetze ignoriert.

Schaffe Gerechtigkeit, Gott! Und lass jedem Menschen auf dieser Welt Gerechtigkeit widerfahren. Halte uns den Himmel offen, wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen

Wir bitten Dich: „Gib uns Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Martin Winter:

Gütiger Gott,

wir danken Dir für das Wunder Deiner Schöpfung, für den wunderschönen blauen Planeten, auf dem wir leben dürfen. Aber der Friede in und mit der Natur wackelt und ist bedroht.

Wir bitten Dich: Schenke Einsicht und gebiete Einhalt, dass wir uns gegenseitig Raum zum Leben lassen.

Wir bitten Dich: „Gib Frieden!“

Alle: „Kyrie“ (EG 178.12)

Vaterunser

Ökumenischer Projektchor - Liedtexte

Eingangslied: „Der Gottesgeist weht wie ein Wind“

  1. Der Gottesgeist weht wie ein Wind, er kommt auf Friedensflügeln.
    Wie Atem, der lebendig macht, weckt er die Unrast innen,
    die manchmal Sturm zu werden wagt, Gewalt und Bosheit laut verklagt.
    Er kühlt als frische Brise.
  2. Und wie ein Feuer ist der Geist, mit heißen Flammenarmen
    erstickt er, was dem Unrecht dient, und glüht doch voll Erbarmen.
    Ist Hoffnungsfunke, der noch blinkt, ein Licht, das wartet, das uns winkt,
    ein Glanz in Herz und Augen.
  3. Im Stillen handelt Gottes Geist, treibt an durch sanfte Kräfte,
    die weise Mutter, die uns führt, die Quelle guter Mächte.
    Sie gibt uns Mut voran zu gehen, macht, dass sich Menschen neu verstehen,
    hüllt uns in ihren Mantel.

Nach dem niederländischen „De Geest van God waait als een wind“
Originaltext: Marijke Koijk-de Bruijne (1986), Melodie: Gon Vorhooeve (1986),
deutsche Übersetzung: „Der Gottesgeist weht wie ein Wind“ von Jürgen Henkys
(Andere deutsche Übersetzung: „Der Geist von Gott weht wie der Wind“
von Susanne Kramer im EG, 556)

Ausgangslied: „Halte deine Träume fest“

  1. Halte deine Träume fest, lerne sie zu leben.
    Gegen zu viel Sicherheit, gegen Ausweglosigkeit:
    Halte deine Träume fest.
  2. Halte deine Freiheit fest, lerne sie zu leben.
    Fürchte dich vor keinem Streit, finde zur Versöhnung Zeit:
    Halte deine Freiheit fest.
  3. Halte deine Liebe fest, lerne sie zu leben.
    Brich mit ihr die Einsamkeit, übe Menschenfreundlichkeit:
    Halte deine Liebe fest.

Text: Eugen Eckert, Musik: Jürgen Kandziona (Musikgruppe Habakuk, 1980)
Text und Noten aus Liederbuch  „Halte deine Träume fest“, erschienen im Lahn-Verlag

 

Peter und Paul – das Haus mit den Namen der heiligen Apostel Petrus und Paulus - 29. Juni 2019

Unser Gemeindehaus in Grafenberg trägt den Namen „Peter und Paul“. Es gab 2 Anlässe für diesen Namen:

1. Der Mann und Vater von Emilie Jubl und deren Tochter Maria Jubl, die der Kirchengemeinde St. Bonifatius ihr Wohnhaus vermacht haben mit der Auflage, es zu einem Gemeindehaus umzubauen, trug die beiden Vornamen Peter und Paul.

2. Von den heiligen Aposteln Petrus und Paulus gab es

farbige Kirchenfenster, die vom ehemaligen Bonifatiuskirchlein an der Erms in Metzingen übrig geblieben waren und seit dem Abbruch des Kirchleins auf dem Speicher standen.

Die Namen Petrus und Paulus haben einen ganz besonderen Klang für uns Christen. Als Säulen der frühen Kirche werden die beiden bezeichnet. Ja, sie gehören zum Urgestein und Fundament unseres Glaubens. So verschieden Petrus und Paulus in ihren Lebenswegen auch waren, so werden sie doch schon seit frühesten Zeiten in einem gemeinsamen Apostelfest gefeiert und geehrt.

Petrus und Paulus sind wie zwei Pole, die für unterschiedliche Haltungen und Positionenstehen.

Hier der Fels, der für das Beständige und Traditionelle steht,

dort der stets neu aufbrechende Missionar, der zum Patron der Reformer geworden ist.

Beide Seiten haben wohl ihre Berechtigung und ihre Grenzen.

 

Neue Rufnamen

»Du bist Petrus – der Fels.« Wie so viele andere Worte Jesu, hat auch dieses Wort eine mächtige Wirkung entfaltet.

Aus Simon, dem einfachen Fischer vom See Gennesaret, wurde Kephas, der Fels, wie man ihn in seiner Muttersprache nannte, oder eben Petrus, wie das Wort in lateinischer Sprache heißt.

Es ist viel darüber gerätselt worden, was Jesus mit diesem Namen zum Ausdruck bringen wollte. Hat er Simon als einen besonders gefestigten Jünger erlebt, auf den mehr Verlass war als auf andere? Die Bibel kennt auch andere Seiten dieses Simon Petrus, Momente, in denen sein Glaube schwach wird und schwankt, in denen er von Jesus deshalb sogar schwer gescholten wird.

Spielte Jesus mit dem Wort Fels vielleicht sogar auf einen etwas sturen Charakter bei Simon an, auf seine Hartnäckigkeit und manchmal vielleicht auch seine Unbelehrbarkeit?

Dann hätte er ihm aber wohl nicht die anderen Zusagen gemacht, dass er nämlich auf ihm seine Kirche bauen wolle und dass er ihm die Schlüssel des Himmelreiches gebe.

Das Wort vom Fels steht wohl doch für einen guten und sicheren Grund, für ein tragfähiges Fundament, das der Herr dem Simon zugetraut hat. Jesus baut seine Kirche auf Menschen,

wohl wissend, dass diese ihre schwachen Seiten haben.

Vielleicht aber hat dieses Wort auch dem Simon Mut gemacht und Kraft gegeben. Es tut gut, wenn mir ein anderer, zumal der Herr selbst, etwas zutraut. Und so hat dieses Wort vom Fels sicher auch bei Simon Eindruck gemacht und Spuren hinterlassen.

 

... und seine gewaltige Wirkungsgeschichte

Das Wort vom Fels hat aber vor allem in der Kirchengeschichte Spuren hinterlassen. Was Jesus dem Petrus zugesagt hat,

das haben schließlich seine Nachfolger, die Bischöfe von Rom

und Päpste, auf sich bezogen. In den jeweiligen Wirren der Zeit, in aller Bedrängnis und Verfolgung, in den Glaubensstreitigkeiten und politischen Auseinandersetzungen mit Königen und Kaisern nahmen die Päpste für sich in Anspruch, der Fels in der Brandung zu sein.

Gerade die stolze Monumentalarchitektur der Peterskirche machte diesen Anspruch für alle Welt sichtbar. Über dem Grab des ersten Petrus ist diese größte aller Kirchen errichtet worden und

die Worte Jesu, die wir im Evangelium gehört haben,

wurden in übergroßen Lettern im Kirchenraum eingemeißelt.

Die Botschaft ist klar: Die Päpste sehen sich in der Tradition des Petrus. Sie sind der Fels, auf dem die Kirche errichtet ist.

Sie stehen für Verlässlichkeit und Treue zum Ursprung.

Daran konnten nicht einmal Fehlentwicklungen und Entgleisungen in der Ausübung des Papstamtes etwas ändern.

 

Die Variation bei Paulus

Etwas anders zeigt sich der Sachverhalt bei Paulus. Auch er hat einen neuen Namen angenommen, den er sich wohl selbst zugelegt hat. Aus Saulus, dem überzeugten Juden und vormaligen Verfolger der Christen, dessen Name an den großen König Saul erinnerte, wurde Paulus, was in etwa »der Kleine« oder »der Geringe« bedeutet.

Was für ein Unterschied zum Namenswechsel bei Simon!

Kein Name, der Stolz oder Größe zum Ausdruck bringt, sondern ein bescheidener Name, ganz so, wie sich Paulus in seinen Briefen oft dargestellt hat, als der Geringste von allen, da er den Namen Jesu zunächst abgelehnt und verfolgt hatte. Es klingen Reue und Einsicht aus seinem Namen heraus.

Doch auch hier steht der neue Name für eine neue Lebenswirklichkeit. Wie dieses neue Leben in Christus aussieht, darüber waren Petrus und Paulus teils unterschiedlicher Ansicht. Während Petrus stärker der jüdischen Tradition und den seitherigen Regeln und Geboten verhaftet scheint,

wird Paulus zum großen Missionar der frühen Kirche, der mühseligen Reisen auf sich nimmt und an zentralen Orten erste christliche Gemeinden gründet. Durch seine Briefe bleibt er im Kontakt mit den Gemeinden, während es ihn an immer neue Orte zieht, die Botschaft von Christus, dem Gekreuzigten, zu verbreiten. Dabei probiert er auch ungewöhnliche Wege und Methoden, um möglichst viele für Christus zu gewinnen.

 

Zwei Seiten einer Medaille ...

Petrus und Paulus haben zwei klangvolle Namen für uns Christen. Bei aller Gemeinsamkeit, die die beiden verbindet, stehen sie doch auch für verschiedene Haltungen in der Kirche.

In Petrus, dem Fels, sehen wir eher den Bewahrer, der für Beständigkeit, für Verlässlichkeit, für Treue zum Ursprung steht. Von ihm erhoffen sich viele Sicherheit in unsicheren Zeiten, Stabilität und Festigkeit, wenn so vieles im Fluss ist und zu wanken droht.

In Paulus sehen wir eher die dynamische Seite, den Beweger und Veränderer, den Missionar, der stets neu aufbricht und nach ungewohnten Wegen sucht, um Menschen zu erreichen und den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren.

Beide Haltungen haben ihre Berechtigung und ergänzen einander. Sie sind wie die beiden Seiten einer Medaille. Das erklärt vielleicht auch, warum diese beiden großen Männer der Kirche und Apostel zu Recht in einem gemeinsamen Fest geehrt werden.

Ihr Lebensweg hat beide nach Rom geführt, wo sie kurz nacheinander als Märtyrer gestorben sind. In ihrer Lebenshingabe für Christus und in einem gemeinsamen Fest vereint, erinnern sie uns an diese beiden Grundprinzipien, von denen die Kirche lebt: Von ihrer Treue zum Ursprung, und vom Mut zum Aufbruch und einer Weltoffenheit, um Menschen für Christus zu gewinnen.

 

... als Vorbilder für unser Leben

Was sich im Leben von Petrus und Paulus zeigt, das findet sich in meinem Leben wieder. Wohin tendiere ich?

Bin ich eher ein Bewahrer, der auf Sicherheit und Verlässlichkeit bedacht ist, der Veränderung vielleicht sogar fürchtet,

weil sie mich herausfordert und Liebgewordenes in Frage stellt? Oder bin ich ein Veränderer, jemand, der Seitheriges eher geringachtet und stets auf der Suche nach Neuem und Anderem ist? Beides gehört wohl zu unserem Leben dazu. Beide Haltungen haben ihre Berechtigung und ihre Chancen auf der einen Seite und ihre Risiken auf der anderen Seite.

Es wird wohl darauf ankommen, die richtige Balance zu finden. Was für die Kirche als Ganze gilt und sich in ihren beiden großen Heiligen Petrus und Paulus zu spiegeln scheint, das gilt auch für mich ganz persönlich. Das Fest der Apostel Petrus und Paulus ist eine gute Gelegenheit, meine ganz persönliche Haltung besser kennenzulernen, um dann auch die andere Seite und Position besser wahrzunehmen und zu verstehen. Mein Glaube und die Kirche brauchen beides: Treue zum Ursprung und Bereitschaft zur Veränderung.

Von Pfarrer Hermann Weiß leicht veränderte Predigt nach dem Vorschlag von Adrian Warzecha in „Dienst am Wort“ Jahrgang 2019

Rückblick auf die Pilgerreise nach Südpolen - Zeit nach Pfingsten – Zeit der Heiligen - 10. Juni 2019

Mit dem heutigen Tag hat die Zeit nach Pfingsten begonnen, in der wir immer wieder in den Gottesdiensten Heiliger gedenken. Ihr Leben hat eine Prägung durch den Heiligen Geist, den Geist Jesu, erfahren. So konnten sie ihrem Leben eine christliche Prägung geben, das uns anregt, unser eigenes Leben und das Leben unserer Gemeinde christlich zu gestalten. Durch ihre innere Nähe und ihre Fürbitte lassen sie uns teilhaben am Heiligen Geist. 

In der Woche vor Pfingsten sind wir auf unserer Pilgerreise nach Südpolen überraschend vielen Heiligen begegnet und von ihnen begeistert worden.

Gleich nach der Ankunft in Krakau begegneten wir am Stadtrand einer noch neuen Heiligen, Papst Johannes Paul II. hat sie bekannt gemacht:  die heilige Klosterschwester Faustina mit ihrer Botschaft vom barmherzigen Jesus.

Das nach ihren Angaben gemalte Bild mit den vom Herzen ausgehenden Strahlen haben wir in allen Kirchen, die wir in diesen Tagen besuchten, wiedergefunden. Die Barmherzigkeit Gottes, die in Jesus Christus sichtbar auf Erden erschienen ist, leuchtet in die Welt.

Wie wichtig diese ganz und gar biblische Botschaft ist, erfuhren wir 2 Tage später, als wir nach Ausschwitz und Birkenau kamen, in diese von Menschen anderen Menschen bereitete Hölle des Vernichtungslagers. Der Schrecken erfasste uns in der Tiefe unserer Seelen. In dieser äußersten Finsternis war der heilige Pater Maximilian Kolbe ein Lichtblick. Er war für einen Familienvater freiwillig den Hungerbunker gegangen. Das Wort Jesu wurde lebendig in seiner Person: „Eine größere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde“. In der Begegnung mit Bischof em Nossol am nächsten Tag sprach der eine Begebenheit an, die uns zu denken gab:  Als Papst Benedikt XVI in Ausschwitz gefragt wurde: Wo war Gott in all dem grausamen Leid? Da habe er lange geschwiegen und dann geantwortet: „Am Kreuz“.

Bei Bischof Nossol begegneten wir in Groß-Stein dem heiligen Hyazinth, ein für die meisten von uns völlig unbekannten Heiligen. In dem heute sehr schön hergerichteten Schloss und seiner Kapelle war er einst vor 6oo Jahren geboren. Uns empfing seine Gestalt mit der Monstranz in der einen Hand und mit einer Marienstatue in der anderen Hand. Diese Beigaben erinnern daran, dass er die Hostien und eine Marienstatue aus einer brennenden Kirche gerettet hat und sie uns heute entgegenhält: Jesus Christus gebührt unsere Anbetung und Maria unsere Verehrung. Der hl. Hyazinth muss in seiner Zeit – ähnlich wie der heilige Bonifatius -  gewirkt haben, nämlich das er vom Papst beauftragt war, das kirchliche Leben in Polen zu erneuern und zu ordnen. Um das Schloss in Groß-Stein und seinen Park sind heute die ehemaligen Wirtschaftsgebäude umgebaut zu einer Kur-und Heilstätte für Leib und Seele nach Kneippart.

Auf dem Annaberg, dem größten Wallfahrtsort Schlesiens, begegneten wir

dem Gnadenbild „Annaselbdritt“. Die Heilsgeschichte wird lebendig in der Großmutter Anna, in Jesus und Maria – zusammengebunden in eine Dreifaltigkeit. Wir waren den Kalvarienberg hochgegangen – viele große Stationen des Kreuzwegs und haben dort Eucharistie gefeiert und dabei aller Familienangehörigen gedacht.

Am letzten Tag fuhren wir nach Tschenstochau und erlebten diesen großen geistlichen Ort mit dem Gnadenbild der „Schwarzen Madonna“, der Königin Polens. Maria erfährt große Verehrung durch alle Schichten des Volkes und seiner Geschichte. Wir konnten es erleben in der mit Priestern, Erstkommunionkindern und Erwachsenen vollen Gnadenkapelle und feierten selbst in der Rosenkranzkapelle die letzte Eucharistie miteinander. Das mächtige Kloster mit dem päpstlichen Freialtar am Berg geben Zeugnis einer großen Geschichte des Glaubens.

Ein wertvoller Ausflug führte uns am 2. Tag zum Geburtsort Karol Woytilas, des späteren Papstes Johannes Paul II. Sein Heimathaus neben der Kirche ist heute Museum mit dem vielbebilderten Lauf seines Lebens. Er hat sich ganz eingelassen auf den Ruf Jesu in seinem Leben und hat in Polen und in der ganzen Welt vielen die Botschaft des Evangeliums erschlossen. Er durfte in besonderer Weise mitwirken an der Überwindung des Kommunismus in seinem Heimatland und an der Wiedervereinigung Deutschlands. Mit seinen Pilgerreisen und Weltjugendtagen hat er vielen die Beziehung zu Jesus Christus aufgeschlossen und ihren je eignen Weg.

Wir durften auf unserer Pilgerreise währen der Pfingstnovene erfahren, wie der Heilige Geist Großes wirken kann in den Herzen einzelner und für den Frieden und das Heil aller Menschen.  Wir freuten uns an der guten Gemeinschaft auf dem Weg und danken besonders den drei Leuten, die uns ein Stück weit ihre frühere Heimat erschlossen haben. Vergelt,s Gott!

 

 

Der Geist wider die Angst - Pfingstsonntagspredigt - 9. Juni 2019

Vorüberlegungen

»[...] als die Jünger aus Furcht [...] bei verschlossenen Türen beisammen waren« (Joh 20,19). Befürchtungen, Sorgen, Beklemmung, Furcht, Angst: Vielleicht treffen keine anderen Begriffe vorder- oder hintergründig so sehr die Stimmungs- und Seelenlage unserer Tage. Und vielleicht sind auch die Antwortversuche unserer Zeit mit den verschlossenen Türen treffend umschrieben: sich abwenden, zumachen, abschließen, abschotten.

Die Ostererzählung des vierten Evangelisten zeigt die Angst der Jünger, durch die sie ohne Jesu geraten sind: »Die Sprache der Erzählung zeigt ›Angst und Verschlossenheit‹ an, sowie deren Überwindung durch den Auferstandenen. Auf der Ebene solcher Sprachsymbolik darf man formulieren: Mögen auch Angst und Verschlossenheit noch so groß sein, der Auferstandene hat die Fähigkeit, durch verschlossene Türen zu dringen [...]. Auf diese Weise kommt der Auferstandene immer wieder in eine ›verschlossene Welt‹, um sie durch seine Wirksamkeit zu einer ›offenen Welt‹ zu machen.« [Blank, J., Das Evangelium nach Johannes. 3. Teil (= Geistliche Schriftlesung 4/3). Düsseldorf 1977, 176.]

Beides kann in der Pfingstpredigt aufgegriffen werden, die verbreitete Angst und Verschlossenheit wie die Öffnung der Welt gegen die »Heidenangst« durch die Osterbotschaft.

 

Predigt

Sie hatten sich alle an einem Ort zusammengefunden, ...

die Jünger damals zu Pfingsten, und sie hatten aus Furcht oder Angst die Türen fest verriegelt.

Das kann man wohl von uns nicht sagen! Am Pfingsttag befinden sich heutige Jünger an verschiedensten Orten, schwärmen aus, die freien Tage zu nutzen und das schönere Wetter anderswo. Kurzurlaub oder Ausflug ist für viele angesagt. Von verriegelten Türen also keine Spur. Im Unterschied zu jenen Jüngerinnen und Jüngern damals sind wir Christen heute frei und unerschrocken. Vor wem sollten wir uns fürchten. Angst wie sie? Nein, das haben wir nicht!

Doch wenn ich mich selbst genauer anschaue, ...

bin ich mir da nicht so sicher: Da fällt mir das ungute Gefühl ein vor anspruchsvollen Aufgaben, Weiche Knie, flauer Magen: Werde ich den Erwartungen gewachsen sein?

Werde ich der Verantwortung gerecht in meinen seelsorglichen Aufgaben?  Ich denke an Tränen der Angst und Sorge um vertraute Menschen.  Ich spüre die Not an Krankenbetten und die unendlich lang werdenden bangen Minuten mit einem Sterbenden. Das Herzklopfen, die zugeschnürte Kehle, das alles ist ganz und gar nicht so fern.

Und damit bin ich sicher nicht allein.

Unter der sichtbaren Oberfläche von Geselligkeit und Lachen verstecken sich nicht selten Unsicherheit, Ängstlichkeit, Heidenangst.

Was empfindet jene 50-Jährige, die sich zum dritten Mal bewerben und vorstellen muss? ? Was empfindet jener Jugendliche, der zur Ausbildung von zuhause weg muss, in eine fremde Umgebung? Werde ich den Vorstellungen gerecht? Werde ich zurechtkommen, Freunde finden? Und was verspüren seine Eltern? Wird unser Kind seinen Weg gehen? Ganz alltägliche Situationen und banges Fragen, Sorge, Angst.

Wo so viel von Freiheit und Ungebundenheit, von Karriere und Lebenslust geredet und gezeigt wird, da scheint unter der Decke umso mehr die Kehrseite zu bedrängen.

Angst, meine Schwachstellen zu zeigen, weil die Anforderungen so hoch sind; Angst, vor den anderen nicht bestehen, nicht mithalten zu können, ausgelacht zu werden, zu verlieren und das alles auch schon erlebt zu haben: Das sind Wurzeln für Mutlosigkeit und hängende Schultern und nicht selten auch für Alkohol und Tabletten und in Schulden führendes Über-seine-Verhältnisse-Leben. Und nicht zuletzt für steigende Patientenzahlen in unseren psychiatrischen Zentren.

Und wie geht es einer Frau oder einem Mann, bei deren Vorsorgeuntersuchung der schlimme Verdacht von Krebs aufkommt? Ängstliches Warten auf das Ergebnis, drückende Sorge um die Familie, vielleicht erschütternde Gewissheit und Todesangst.

Nein, Angsthasen sind wir alle nicht, ...

... solche Angst ist echt und nicht als bloße Ängstlichkeit abzutun oder mit einem Trostpflästerchen zu überkleben. Jeder von uns kennt seine Angst und seine Not darin und braucht sich damit nicht zu schämen. Sie ragt in unser Leben herein wie bei den Jüngern und Jüngerinnen damals, trotz aller Offenheit und Ferienstimmung und Fröhlichkeit. Auch bei uns kann sie mächtig werden, uns den Schlaf rauben, gefangen nehmen und niederdrücken. Gerade in dieser aus dem Lot geratenen Welt und Zeit.

Bei den Jüngern damals ...

... kam der Auferstandene durch die verriegelten Türen mitten in die ängstliche Runde. Er versucht nicht, ihnen die Furcht auszureden oder kleinzureden. Das hilft nicht. Er zeigt ihnen, dass er um ihre Angst weiß, indem er ihnen die Zeichen seiner eigenen Angst zeigt, seine Wunden. Sie sind Male seiner Angst der Verlassenheit, seiner Angst um seine Freunde, seiner Angst vor den Schmerzen und dem Tod. Aber er zeigt sie ihnen als Auferstandener! Und dadurch werden sie auch Zeichen der Hoffnung: Leben ist stärker als der Tod, Liebe mächtiger als der Hass. Zukunft ist weiter als unsere Vorstellung und Glaube tragfähiger als die angstmachende Wirklichkeit.

Unsere Angst kann uns niemand ausreden

Und nichts kann uns vor den Situationen der Angst bewahren, kein Kraut ist dagegen gewachsen und kein Wohlstand schützt davor. Angst gehört zu unserem Leben.

Aber wir können uns in unserer Angst Mut machen lassen von dem auferstandenen Christus. Er haucht seinen Geist in diese Welt. Und damit ist sein Wunsch »Friede euch!« (Joh 20,21) nicht billige Trostformel, sondern kraftvolle Verheißung. Er haucht den Geist in diese Welt, den Mutmacher, der gegen den kalten Angstschweiß und den zugeschnürten Hals und das bange Herzklopfen frische Hoffnung gibt.

Der Geist Gottes ist da

Uns ins angstbleiche Gesicht gehaucht und ins bange Herz. Er ist da, der Geist Gottes, der den Vater mit dem Sohn verbindet, der ihn unser Leben teilen lässt, ihn auferweckt und lebendig macht. Er ist da der Geist Gottes: Hoffnungskraft gegen die Zukunftsangst und Glaubenskraft wider die Heidenangst.

Er kann uns ermutigen, dass wir in unseren Ängsten nicht davonlaufen und uns in den Sorgen nicht einigeln, sondern öffnen und anderen anvertrauen, sie um Nähe, um Rat fragen. Er kann uns ermutigen, dass wir uns in unseren Unsicherheiten nicht verkriechen, sondern uns mutig weitertasten, dass wir festgefahrene Beziehungen nicht aufgeben, uns vielmehr Neuanfänge zutrauen, dass wir uns in der Trauer nicht verhärten, sondern weinend Hoffnung schöpfen, dass wir uns in Schuld nicht verstecken, sondern um Vergebung bitten.

Und der Geist Gottes kann uns ermutigen, anderen in ihrer Angst zu helfen. Zu überwinden, was Angst verursacht. Oder, wo es nicht in unserer Macht liegt, wenigstens ein offenes Ohr zu bieten, Verständnis zu zeigen, die Schulter hinzuhalten, an der sich ein Mensch ausweinen kann. Der Gottesgeist kann uns bewegen, nicht nur Stärke gelten zu lassen, sondern auch Schwäche: Dass ein Vater einen Fehler zugibt, kann einem Kind mehr Lebensmut machen, als wenn er nur den starken Max mimt.

Und der Gottesgeist kann uns Mut machen, über unsere Möglichkeiten hinaus auf Gott und seine Möglichkeiten mit uns zu vertrauen und dieses Vertrauen zu zeigen: Wenn eine Mutter ihrer Tochter glaubensmutig vertraut, kann das mehr stützen und zusammenhalten, als wenn sie ihr nur ihre Sorgen vorhält.

 

Der Geist Gottes, dessen Zeichen das Feuer ist, ...

... will uns Mut machen, unseren Glauben zu bezeugen, Rechenschaft zu geben vom Grund der Hoffnung, die in uns ist. Bescheiden und ehrfürchtig (vgl. 1 Petr 3,15–16), den Menschen und Gott gegenüber, und gleichzeitig mutig, als begeisterte Menschen, als entflammte Menschen, deren Glaube andere zum Interesse anstecken, deren Funke überspringen kann. Christen, die mutig hoffen, Christen, die mutig lieben und mutig glauben, sprechen mehr Glaubenssuchende und Glaubensskeptiker an als jene, die vom Mehltau der Resignation gefangen über den Glaubensverlust unserer Zeit klagen oder sich hinter die verschlossenen Türen, in die geschlossenen Reihen eines christlichen Ghettos zurückziehen, um ihren klein gewordenen Glauben ängstlich zu bewahren. Glaube gewinnt Kraft im Hinausgehen, im mutigen Zugehen auf andere: Der Heilige Geist redet durch uns, wenn wir uns den Herausforderungen stellen (vgl. Mt 10,19; Mk 13,11).

 

Jesus tritt durch die Verriegelungen ...

... in die Runde der Verängstigten, er tritt in unsere Mitte, haucht uns seinen Geist ein. Beten wir um seine Kraft. Lassen wir ihm Spielraum, dass er seine Macht entfalten kann. Man muss die Segel in den Wind setzen, damit sich das Schiff bewegt. Öffnen wir uns wie ein Segel für den frischen Wind des Heiligen Geistes. Drehen wir unser Leben in seinen kraftvollen und leisen Wind, dass er in unsere ängstliche Seele hineinweht und uns bewegen kann. Beten wir um seinen Rat, um seine Weisheit und Einsicht, dass er uns die Riegel der Angst öffnet und aufleben, frei atmen lässt.

 

Warum ich an Pfingsten über die Angst rede?

Gibt es nichts Schöneres? Ich rede darüber, weil sie einfach da ist, und ja, es gibt Schöneres: den Hoffnungsträger, den Mutmacher für uns und alle um uns herum, den Geist Gottes und seine Zukunft. Mit ihm können wir mutig leben: Gott lebt mit seinem Geist mit uns, öffnet uns seine Zukunft. Das mitten in der Angst und Bedrohtheit zu erkennen und zu glauben und zu feiern, ist Pfingsten: Komm, Schöpfer Geist, wider die Angst und Mutlosigkeit, belebe uns, mache uns neu und deine Kirche.

Predigt von Pfarrer Weiß, deutlich angelehnt an den Vorschlag von Clemens Stroppel in „Dienst am Wort“ 2019

 

Christi Himmelfahrt – Spuren Jesu in der Welt - 30. Mai 2019

Himmelfahrt – das ist das Fest des endgültigen Abschieds Jesu. Doch Jesus hinterlässt seine Fußspuren in unserer Welt. Durch seine Fußspuren ist Gott selbst in dieser Welt gegenwärtig.
Auch wenn Jesus in der Himmelfahrt zu Gott zurückkehrt, ist sein Leben, seine Botschaft, sein Wirken nicht mehr aus der Welt wegzudenken - seine Spuren bleiben hier, breiten sich aus. Und seine Spuren sind vielfältig: Christentum ist aus unsrer Welt nicht mehr wegzudenken! Durch die christliche Botschaft hat sich die ganze Welt verändert.

Spuren Jesu in der Welt

Was wäre die Welt ohne die christlichen Werte? - Ohne Glauben, Hoffnung und Liebe; ohne den Glauben so vieler Menschen an die Auferstehung; ohne den Einsatz für die Ärmsten in allen Ländern.

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, wäre ohne das Christentum nicht denkbar geworden; in vielen Religionen ist sie untergeordnet (wie im Islam, im Buddhismus und Hinduismus). Die Botschaft und das Handeln Jesu hat ein langsames Umdenken bewirkt - ein Umdenken, das auch heute noch andauert und noch immer zu keinem Ende gekommen ist; ein Wermutstropfen dabei (oder auch Stachel): es ist eine Botschaft, die die katholische Kirche selbst für sich erst wirklich voll entdecken und anerkennen muss!! Hier hat Jesus Spuren hinterlassen, in die die (katholische) Kirche erst hineinwachsen muss …

Den Fußspuren Jesu, begegnen wir auf Schritt und Tritt. Gerade im Blick auf Franziskus und auf alle, die nach seinen Regeln versuchen, den Fußspuren Jesu zu folgen: Jesu Fußspuren finden sich dort, wo Mensch als Ebenbild Gottes im Mittelpunkt steht; ohne Ansehen der Person, der Macht, des Geldes - sondern als Geschöpf, als Kind Gottes. Seine Fußspuren finden sich in den Armen, die sich aufmachen; in den jungen Menschen, die für eine Zukunft auf die Straße gehen, in welcher es noch eine lebenswerte Erde gibt.

Blickrichtung

Ein Zweites, das mir am Himmelfahrtstag auffällt, ist die Reaktion der Jünger auf die Himmelfahrt. Sie stehen da, vielleicht mit offenem Mund, und staunen; was sollen sie tun? Jetzt ist der Herr endgültig weg. Irgendwie ratlos und hilflos sind sie, die großen Apostel auf deren Fundament unsere Kirche ruht!
Doch da kommt das Wort der Engel: "Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und gafft nach oben?" - Nicht der Blick nach oben ist nun gefragt, sondern der Blick in die Welt. Sie sollen nicht Vergangenem nachtrauern, sondern vorausblicken. Letztlich ist es die Frage nach dem Blickpunkt: Unser christlicher Blick soll auf dem Hintergrund von Ostern nicht ein zaudernder, verlassener, ratloser sein; es soll ein Blick sein, der offen ist; Blick, der sicher ist aus dem Wissen: Wir sind hier nicht alleingelassen, sondern Gott ist mit uns. Die Fußspuren Jesu sind rundherum sichtbar; sein Geist wirkt in uns und mit uns. Wir sehen ihn nicht - aber er ist da.

Nicht zufällig ähnelt die Szene jener Szene am Ostermorgen, als die Frauen und die Jünger zum Grab Jesu kommen – und der Engel / die Engel ihnen sagt: Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Geht…

Logische Fortsetzung der Auferstehung

Ich begegne Gott im Nächsten neben mir. Dies ist die Botschaft der Himmelfahrt. Der Himmel beginnt schon hier und jetzt, wo ich Christ bin.

Heimkehr zum Vater als Verwundeter

Ein Letztes schließlich, das mir bei der Feier von Christi Himmelfahrt wichtig ist: Jesus fährt auf zum Vater mit seinen Wundmalen; mit seinen schönen und schweren Erfahrungen des Lebens. Und damit nimmt er unser Menschsein und alle Freuden und Verwundungen unseres Lebens mit zu seinem Vater. All unsere Freude und unser Leid – es ist nun bei Gott; er weiß darum. Und dies ist mir etwas sehr Tröstliches: An einen Gott glauben zu können, der mich nicht erst dann liebt, wenn ich vollkommen gut, vollkommen losgelöst von irdischen Banden bin – sondern der mich mit meinen Verwundungen annimmt und liebt. Mit der Himmelfahrt Jesu ist das Menschliche, das Menschsein, auf immer ins Göttliche eingeschrieben und mit ihm verbunden.
Fußspuren Gottes in der Welt zu sehen; diesen Fußspuren zu folgen - und vertrauen zu können, dass diese Fußspuren zu Gott führen – das zeigt dieses Fest. Pfarrer Hermann Weiß

Nach Vorlage von Johann Pock, Predigtforum 2019

Predigt vom Gemeindefest 26. Mai 2019

Liebe Festgemeinde, Schwester und Brüder!

Haben sie schon gewählt im Blick auf Europa und im Blick auf die Orte, an denen wir wohnen, also kommunal? Wenn nicht, sollten Sie es noch tun!

Sie haben eine Stimme und wir sollten sie nutzen, auch wenn sie unwichtig erscheint. Demokratie lebt auch dadurch, dass wir Menschen, unsere Stimme denen geben, die in unserem Namen dann ihre Stimme erheben in Rathäuser, in Parlamenten.

Während der Woche, gerade am 70. Geburtstag des Grundgesetztes der BRD, las ich in einem Brief aus dem 3. Jh. - und ich war ganz elektrisiert, in einem so alten historischen Werk - "Diognetbrief" genannt - (nach dem Adressat) folgende Gedanken zu finden: ["Auf welchen Gott vertrauen die Christen?" -Warum glauben sie weder den Juden noch den Griechen?"]

"Die Christen sind Menschen wie die übrigen. Sie unterscheiden sich von den anderen nicht nach Land, Sprache oder Gebräuchen. Sie bewohnen keine eigene Stadt, sprechen keine eigene Mundart… und ihre Lebensweise hat nichts Ungewöhnliches…

Sie folgen den jeweils einheimischen Gesetzen in Kleidung, Nahrung und im ganzen übrigen Leben.

Wie sie jedoch das Leben gestalten, zeigen sie eine unglaubliche Besonderheit.

Sie wohnen zwar in ihrer Heimat, aber wie Zugereiste aus einem fremden Land. Jede Fremde ist ihnen Heimat und jede Heimat Fremde.

Sie gehorchen den Gesetzen, überbieten sie aber durch ihr eigenes Leben. Sie lieben alle Menschen und doch werden sie verfolgt.

Sie werden beschimpft, doch sie segnen.

Sie tun Gutes und werden dennoch bestraft, als wären sie böse.

Um es kurz zu sagen: Was die Seele im Leib ist, das sind die Christen in der Welt.

Die Seele durchdringt alle Glieder des Leibes, die Christen alle Städte der Welt. Man sieht, dass die Christen in der Welt sind, aber ihre Frömmigkeit ist verborgen.

Die Seele ist im Leib eingeschlossen und doch hält sie den Leib zusammen.

Gott hat die Christen auf eine hohe Warte gestellt und sie dürfen ihr nicht entfliehen."

Soweit dieser Brief.

Wow, das ist einmal ein erhellendes Wort. Ein Signal: So sollen die Christen sein: Seele für die Welt. Seele für Europa, Seele für die Stadt, die Gemeinde, wo sie wohnen. Welch eine hohe Berufung, eine hohe Würde.

Jesus nennt es in der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums: "Ihr seid das Licht der Welt…Ihr seid das Salz der Erde…"

Mich haben diese Worte begeistert: Ja, das ist es. Weg mit der Verzagtheit: Was kann ich schon ausrichten?! Weg mit der Gleichgültigkeit: Was ist schon meine Stimme wert?!

Gott sei Dank gibt es Mensch, die sich zur Wahl stellen, die sich politisch einbringen, die für unsere Sache, für unserer Werte eintreten! Unterstützen wir die, von denen wir glauben, hoffen, dass sie unsere Überzeugungen vertreten im europäischen Parlament, in den Rathäusern, in den politischen Gremien und Ausschüssen, die haupt- oder ehrenamtlich sich engagieren.

Wie soll sonst der Friede erhalten bleiben in Europa? Wie sollen "unsere" Anliegen eingebracht werden in den Rathäusern.

Wir Christen müssen nicht dauernd das Wort vom "christlichen Abendmahl" vor uns hertragen; manchmal sind auch große Worte notwendig und es ist gut, wenn jemand gut sprechen kann, aber wichtig ist dann, ob das, was gesagt wird, auch übereinstimmt mit der Tat, dem tatsächlichen Leben. Schauen wir aber wahrhaft hin und wählen wir und unterstützen die "hohe Würde aller Menschen" wie es unser Grundgesetz ausdrückt.

Ja, ich finde es großartig, wenn es in unserer Gemeinde italienische und kroatische Menschen gibt, die sich einbringen, die ihren katholischen Glauben im Gottesdienst und zum Beispiel bei einem Gemeindefest einbringen, wenn sie hier vor Ort katholische Gemeinde bilden, wo Menschen aller Völker Europas, ja Menschen aller Kontinente ihre Überzeugung als Christen leben… Seele der Stadt, der Gemeinden, Europas.

Ich finde es schade, wenn sie zu gering voneinander denken, und wenn wir uns minderwertig vorkommen! Das bringt nur Missgunst, Neid, Eifersucht…hervor. Das sind aber nicht Früchte des Heiligen Geistes. Freude, Fried, Standhaftigkeit, Geduld, Wohlwollen. Das sind Früchte des Geistes, den Jesus uns verheißen hat, als ER sich von den Jünger verabschiedete und ihnen ein Testament mitgegeben hat.

 

Am Ende der Lesung aus der Apostelgeschichte ist vorhin die Vision des Paulus erzählt worden: Nachdem er und seine Begleiter in den Dörfern und Städten Kleinasiens, der heutigen Türkei, keinen Erfolg ihrer Verkündung Jesu sahen, hörte er die Worte: "Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!" Auf diese Vision hin wollten sie sofort abfahren nach Mazedonien, denn sie waren überzeugt, dass "uns Gott berufen hat, dort das Evangelium zu verkünden".

So begann die Geschichte des Christentums in Europa.

Welch kleiner Anfang! Sie begründeten kleine Gemeinden im heutigen Griechenland, in Thessaloniki zum Beispiel. Über die Jahrhunderte wurden Christen zur Seele Europas. Es hat lange gebraucht, bis sie aus den Jahrhunderten der Verfolgung herauskamen, bis sie groß in der Öffentlichkeit anerkannt wurden… mit der Gefahr, dass sie zu groß und zu gewalttätig ihre Sache vertreten hat.

Aber die gute Sache, wie Christen Seele der Welt werden, das können wir sehen an Menschen wie Bonifatius und Lioba, die übrigens aus Angelsachsen, dem heutigen England, aufs Festland kamen und wohl geholfen haben, dass eine Kultur der Liebe und des Friedens aufkam und sich oft auch - Gott sei Dank - durchsetze. Aber natürlich ist Kultur immer auch in Gefahr, dass sie verloren geht, dass sie verändert wird bis hin, dass Hass entsteht und Terror und Gewalt, dass Mauern hochgezogen werden und Zäune, Stacheldraht, dass Konzentrationslager, Abschiebelager entstehen.

Denken wir an Menschen wie Don Bosco und Johannes XXIII - unsere Namenspatrone der Kirche in Riederich - Italiener übrigens, oder an Nikola Tavelic oder Cyrill und Methodius, kroatische bzw. slawische Heilige. Denken sie an Brigitta von Schweden, Katharina von Siena, Edith Stein, wie sie auf der Ikone zu sehen sind.

Denken sei an Menschen wie den Heiligen Martin, wie die Heilige Elisabeth von Thüringen oder an eine Mutter Teresa - Albanerin - die in den Slums von Kalkutta gewirkt hat - Seele der Stadt in völlig fremdem Umfeld, mitten unter Menschen anderer Religion, von vielen dort hochheilig verehrt.

Die bekannten Heiligen sind von unendlich vielen unbekannten Heiligen umgeben…Menschen, die wir mit Recht ehren, zum Beispiel eine Mutter, einen Vater oder auch Robert Schumann - noch nicht heiliggesprochen, aber ein französischer Politiker, ledig, katholisch; mit großer innerer Kraft hat er sich für ein Europa der Vaterländer eingesetzt, für ein Europa, das von christlichem Wert geprägt ist und zum Frieden der Welt beiträgt.

Jesus hat uns den Beistand verheißen, der uns daran erinnert, was er gesagt und getan hat, und uns erinnert, wer wir sind: Salz der Erde, Licht der Welt.

Mit Bonifatius und anderen Glaubensboten hat das Christentum in unserem Land um sich gegriffen. Vielen scheint es, als breche gerade eine große Tradition des Glaubens zusammen. Als Papst Johannes II 1980 zum 1. Mal als Papst nach Deutschland kam, sprach er in Fulda am Grab des Heiligen Bonifatius davon, dass das Christentum in SEINEM Geist neu aufbrechen möge. Ja, geben wir unsere Stimme und werden wir Zeugen des Friedens, seien wir Seele der Welt, Seele in unserer Stadt, in unserer Gemeinde, in Europa. Amen. Pfarrer Hermann Weiß