Peter und Paul – das Haus mit den Namen der heiligen Apostel Petrus und Paulus - 29. Juni 2019

Unser Gemeindehaus in Grafenberg trägt den Namen „Peter und Paul“. Es gab 2 Anlässe für diesen Namen:

1. Der Mann und Vater von Emilie Jubl und deren Tochter Maria Jubl, die der Kirchengemeinde St. Bonifatius ihr Wohnhaus vermacht haben mit der Auflage, es zu einem Gemeindehaus umzubauen, trug die beiden Vornamen Peter und Paul.

2. Von den heiligen Aposteln Petrus und Paulus gab es

farbige Kirchenfenster, die vom ehemaligen Bonifatiuskirchlein an der Erms in Metzingen übrig geblieben waren und seit dem Abbruch des Kirchleins auf dem Speicher standen.

Die Namen Petrus und Paulus haben einen ganz besonderen Klang für uns Christen. Als Säulen der frühen Kirche werden die beiden bezeichnet. Ja, sie gehören zum Urgestein und Fundament unseres Glaubens. So verschieden Petrus und Paulus in ihren Lebenswegen auch waren, so werden sie doch schon seit frühesten Zeiten in einem gemeinsamen Apostelfest gefeiert und geehrt.

Petrus und Paulus sind wie zwei Pole, die für unterschiedliche Haltungen und Positionenstehen.

Hier der Fels, der für das Beständige und Traditionelle steht,

dort der stets neu aufbrechende Missionar, der zum Patron der Reformer geworden ist.

Beide Seiten haben wohl ihre Berechtigung und ihre Grenzen.

 

Neue Rufnamen

»Du bist Petrus – der Fels.« Wie so viele andere Worte Jesu, hat auch dieses Wort eine mächtige Wirkung entfaltet.

Aus Simon, dem einfachen Fischer vom See Gennesaret, wurde Kephas, der Fels, wie man ihn in seiner Muttersprache nannte, oder eben Petrus, wie das Wort in lateinischer Sprache heißt.

Es ist viel darüber gerätselt worden, was Jesus mit diesem Namen zum Ausdruck bringen wollte. Hat er Simon als einen besonders gefestigten Jünger erlebt, auf den mehr Verlass war als auf andere? Die Bibel kennt auch andere Seiten dieses Simon Petrus, Momente, in denen sein Glaube schwach wird und schwankt, in denen er von Jesus deshalb sogar schwer gescholten wird.

Spielte Jesus mit dem Wort Fels vielleicht sogar auf einen etwas sturen Charakter bei Simon an, auf seine Hartnäckigkeit und manchmal vielleicht auch seine Unbelehrbarkeit?

Dann hätte er ihm aber wohl nicht die anderen Zusagen gemacht, dass er nämlich auf ihm seine Kirche bauen wolle und dass er ihm die Schlüssel des Himmelreiches gebe.

Das Wort vom Fels steht wohl doch für einen guten und sicheren Grund, für ein tragfähiges Fundament, das der Herr dem Simon zugetraut hat. Jesus baut seine Kirche auf Menschen,

wohl wissend, dass diese ihre schwachen Seiten haben.

Vielleicht aber hat dieses Wort auch dem Simon Mut gemacht und Kraft gegeben. Es tut gut, wenn mir ein anderer, zumal der Herr selbst, etwas zutraut. Und so hat dieses Wort vom Fels sicher auch bei Simon Eindruck gemacht und Spuren hinterlassen.

 

... und seine gewaltige Wirkungsgeschichte

Das Wort vom Fels hat aber vor allem in der Kirchengeschichte Spuren hinterlassen. Was Jesus dem Petrus zugesagt hat,

das haben schließlich seine Nachfolger, die Bischöfe von Rom

und Päpste, auf sich bezogen. In den jeweiligen Wirren der Zeit, in aller Bedrängnis und Verfolgung, in den Glaubensstreitigkeiten und politischen Auseinandersetzungen mit Königen und Kaisern nahmen die Päpste für sich in Anspruch, der Fels in der Brandung zu sein.

Gerade die stolze Monumentalarchitektur der Peterskirche machte diesen Anspruch für alle Welt sichtbar. Über dem Grab des ersten Petrus ist diese größte aller Kirchen errichtet worden und

die Worte Jesu, die wir im Evangelium gehört haben,

wurden in übergroßen Lettern im Kirchenraum eingemeißelt.

Die Botschaft ist klar: Die Päpste sehen sich in der Tradition des Petrus. Sie sind der Fels, auf dem die Kirche errichtet ist.

Sie stehen für Verlässlichkeit und Treue zum Ursprung.

Daran konnten nicht einmal Fehlentwicklungen und Entgleisungen in der Ausübung des Papstamtes etwas ändern.

 

Die Variation bei Paulus

Etwas anders zeigt sich der Sachverhalt bei Paulus. Auch er hat einen neuen Namen angenommen, den er sich wohl selbst zugelegt hat. Aus Saulus, dem überzeugten Juden und vormaligen Verfolger der Christen, dessen Name an den großen König Saul erinnerte, wurde Paulus, was in etwa »der Kleine« oder »der Geringe« bedeutet.

Was für ein Unterschied zum Namenswechsel bei Simon!

Kein Name, der Stolz oder Größe zum Ausdruck bringt, sondern ein bescheidener Name, ganz so, wie sich Paulus in seinen Briefen oft dargestellt hat, als der Geringste von allen, da er den Namen Jesu zunächst abgelehnt und verfolgt hatte. Es klingen Reue und Einsicht aus seinem Namen heraus.

Doch auch hier steht der neue Name für eine neue Lebenswirklichkeit. Wie dieses neue Leben in Christus aussieht, darüber waren Petrus und Paulus teils unterschiedlicher Ansicht. Während Petrus stärker der jüdischen Tradition und den seitherigen Regeln und Geboten verhaftet scheint,

wird Paulus zum großen Missionar der frühen Kirche, der mühseligen Reisen auf sich nimmt und an zentralen Orten erste christliche Gemeinden gründet. Durch seine Briefe bleibt er im Kontakt mit den Gemeinden, während es ihn an immer neue Orte zieht, die Botschaft von Christus, dem Gekreuzigten, zu verbreiten. Dabei probiert er auch ungewöhnliche Wege und Methoden, um möglichst viele für Christus zu gewinnen.

 

Zwei Seiten einer Medaille ...

Petrus und Paulus haben zwei klangvolle Namen für uns Christen. Bei aller Gemeinsamkeit, die die beiden verbindet, stehen sie doch auch für verschiedene Haltungen in der Kirche.

In Petrus, dem Fels, sehen wir eher den Bewahrer, der für Beständigkeit, für Verlässlichkeit, für Treue zum Ursprung steht. Von ihm erhoffen sich viele Sicherheit in unsicheren Zeiten, Stabilität und Festigkeit, wenn so vieles im Fluss ist und zu wanken droht.

In Paulus sehen wir eher die dynamische Seite, den Beweger und Veränderer, den Missionar, der stets neu aufbricht und nach ungewohnten Wegen sucht, um Menschen zu erreichen und den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren.

Beide Haltungen haben ihre Berechtigung und ergänzen einander. Sie sind wie die beiden Seiten einer Medaille. Das erklärt vielleicht auch, warum diese beiden großen Männer der Kirche und Apostel zu Recht in einem gemeinsamen Fest geehrt werden.

Ihr Lebensweg hat beide nach Rom geführt, wo sie kurz nacheinander als Märtyrer gestorben sind. In ihrer Lebenshingabe für Christus und in einem gemeinsamen Fest vereint, erinnern sie uns an diese beiden Grundprinzipien, von denen die Kirche lebt: Von ihrer Treue zum Ursprung, und vom Mut zum Aufbruch und einer Weltoffenheit, um Menschen für Christus zu gewinnen.

 

... als Vorbilder für unser Leben

Was sich im Leben von Petrus und Paulus zeigt, das findet sich in meinem Leben wieder. Wohin tendiere ich?

Bin ich eher ein Bewahrer, der auf Sicherheit und Verlässlichkeit bedacht ist, der Veränderung vielleicht sogar fürchtet,

weil sie mich herausfordert und Liebgewordenes in Frage stellt? Oder bin ich ein Veränderer, jemand, der Seitheriges eher geringachtet und stets auf der Suche nach Neuem und Anderem ist? Beides gehört wohl zu unserem Leben dazu. Beide Haltungen haben ihre Berechtigung und ihre Chancen auf der einen Seite und ihre Risiken auf der anderen Seite.

Es wird wohl darauf ankommen, die richtige Balance zu finden. Was für die Kirche als Ganze gilt und sich in ihren beiden großen Heiligen Petrus und Paulus zu spiegeln scheint, das gilt auch für mich ganz persönlich. Das Fest der Apostel Petrus und Paulus ist eine gute Gelegenheit, meine ganz persönliche Haltung besser kennenzulernen, um dann auch die andere Seite und Position besser wahrzunehmen und zu verstehen. Mein Glaube und die Kirche brauchen beides: Treue zum Ursprung und Bereitschaft zur Veränderung.

Von Pfarrer Hermann Weiß leicht veränderte Predigt nach dem Vorschlag von Adrian Warzecha in „Dienst am Wort“ Jahrgang 2019

Rückblick auf die Pilgerreise nach Südpolen - Zeit nach Pfingsten – Zeit der Heiligen - 10. Juni 2019

Mit dem heutigen Tag hat die Zeit nach Pfingsten begonnen, in der wir immer wieder in den Gottesdiensten Heiliger gedenken. Ihr Leben hat eine Prägung durch den Heiligen Geist, den Geist Jesu, erfahren. So konnten sie ihrem Leben eine christliche Prägung geben, das uns anregt, unser eigenes Leben und das Leben unserer Gemeinde christlich zu gestalten. Durch ihre innere Nähe und ihre Fürbitte lassen sie uns teilhaben am Heiligen Geist. 

In der Woche vor Pfingsten sind wir auf unserer Pilgerreise nach Südpolen überraschend vielen Heiligen begegnet und von ihnen begeistert worden.

Gleich nach der Ankunft in Krakau begegneten wir am Stadtrand einer noch neuen Heiligen, Papst Johannes Paul II. hat sie bekannt gemacht:  die heilige Klosterschwester Faustina mit ihrer Botschaft vom barmherzigen Jesus.

Das nach ihren Angaben gemalte Bild mit den vom Herzen ausgehenden Strahlen haben wir in allen Kirchen, die wir in diesen Tagen besuchten, wiedergefunden. Die Barmherzigkeit Gottes, die in Jesus Christus sichtbar auf Erden erschienen ist, leuchtet in die Welt.

Wie wichtig diese ganz und gar biblische Botschaft ist, erfuhren wir 2 Tage später, als wir nach Ausschwitz und Birkenau kamen, in diese von Menschen anderen Menschen bereitete Hölle des Vernichtungslagers. Der Schrecken erfasste uns in der Tiefe unserer Seelen. In dieser äußersten Finsternis war der heilige Pater Maximilian Kolbe ein Lichtblick. Er war für einen Familienvater freiwillig den Hungerbunker gegangen. Das Wort Jesu wurde lebendig in seiner Person: „Eine größere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde“. In der Begegnung mit Bischof em Nossol am nächsten Tag sprach der eine Begebenheit an, die uns zu denken gab:  Als Papst Benedikt XVI in Ausschwitz gefragt wurde: Wo war Gott in all dem grausamen Leid? Da habe er lange geschwiegen und dann geantwortet: „Am Kreuz“.

Bei Bischof Nossol begegneten wir in Groß-Stein dem heiligen Hyazinth, ein für die meisten von uns völlig unbekannten Heiligen. In dem heute sehr schön hergerichteten Schloss und seiner Kapelle war er einst vor 6oo Jahren geboren. Uns empfing seine Gestalt mit der Monstranz in der einen Hand und mit einer Marienstatue in der anderen Hand. Diese Beigaben erinnern daran, dass er die Hostien und eine Marienstatue aus einer brennenden Kirche gerettet hat und sie uns heute entgegenhält: Jesus Christus gebührt unsere Anbetung und Maria unsere Verehrung. Der hl. Hyazinth muss in seiner Zeit – ähnlich wie der heilige Bonifatius -  gewirkt haben, nämlich das er vom Papst beauftragt war, das kirchliche Leben in Polen zu erneuern und zu ordnen. Um das Schloss in Groß-Stein und seinen Park sind heute die ehemaligen Wirtschaftsgebäude umgebaut zu einer Kur-und Heilstätte für Leib und Seele nach Kneippart.

Auf dem Annaberg, dem größten Wallfahrtsort Schlesiens, begegneten wir

dem Gnadenbild „Annaselbdritt“. Die Heilsgeschichte wird lebendig in der Großmutter Anna, in Jesus und Maria – zusammengebunden in eine Dreifaltigkeit. Wir waren den Kalvarienberg hochgegangen – viele große Stationen des Kreuzwegs und haben dort Eucharistie gefeiert und dabei aller Familienangehörigen gedacht.

Am letzten Tag fuhren wir nach Tschenstochau und erlebten diesen großen geistlichen Ort mit dem Gnadenbild der „Schwarzen Madonna“, der Königin Polens. Maria erfährt große Verehrung durch alle Schichten des Volkes und seiner Geschichte. Wir konnten es erleben in der mit Priestern, Erstkommunionkindern und Erwachsenen vollen Gnadenkapelle und feierten selbst in der Rosenkranzkapelle die letzte Eucharistie miteinander. Das mächtige Kloster mit dem päpstlichen Freialtar am Berg geben Zeugnis einer großen Geschichte des Glaubens.

Ein wertvoller Ausflug führte uns am 2. Tag zum Geburtsort Karol Woytilas, des späteren Papstes Johannes Paul II. Sein Heimathaus neben der Kirche ist heute Museum mit dem vielbebilderten Lauf seines Lebens. Er hat sich ganz eingelassen auf den Ruf Jesu in seinem Leben und hat in Polen und in der ganzen Welt vielen die Botschaft des Evangeliums erschlossen. Er durfte in besonderer Weise mitwirken an der Überwindung des Kommunismus in seinem Heimatland und an der Wiedervereinigung Deutschlands. Mit seinen Pilgerreisen und Weltjugendtagen hat er vielen die Beziehung zu Jesus Christus aufgeschlossen und ihren je eignen Weg.

Wir durften auf unserer Pilgerreise währen der Pfingstnovene erfahren, wie der Heilige Geist Großes wirken kann in den Herzen einzelner und für den Frieden und das Heil aller Menschen.  Wir freuten uns an der guten Gemeinschaft auf dem Weg und danken besonders den drei Leuten, die uns ein Stück weit ihre frühere Heimat erschlossen haben. Vergelt,s Gott!

 

 

Der Geist wider die Angst - Pfingstsonntagspredigt - 9. Juni 2019

Vorüberlegungen

»[...] als die Jünger aus Furcht [...] bei verschlossenen Türen beisammen waren« (Joh 20,19). Befürchtungen, Sorgen, Beklemmung, Furcht, Angst: Vielleicht treffen keine anderen Begriffe vorder- oder hintergründig so sehr die Stimmungs- und Seelenlage unserer Tage. Und vielleicht sind auch die Antwortversuche unserer Zeit mit den verschlossenen Türen treffend umschrieben: sich abwenden, zumachen, abschließen, abschotten.

Die Ostererzählung des vierten Evangelisten zeigt die Angst der Jünger, durch die sie ohne Jesu geraten sind: »Die Sprache der Erzählung zeigt ›Angst und Verschlossenheit‹ an, sowie deren Überwindung durch den Auferstandenen. Auf der Ebene solcher Sprachsymbolik darf man formulieren: Mögen auch Angst und Verschlossenheit noch so groß sein, der Auferstandene hat die Fähigkeit, durch verschlossene Türen zu dringen [...]. Auf diese Weise kommt der Auferstandene immer wieder in eine ›verschlossene Welt‹, um sie durch seine Wirksamkeit zu einer ›offenen Welt‹ zu machen.« [Blank, J., Das Evangelium nach Johannes. 3. Teil (= Geistliche Schriftlesung 4/3). Düsseldorf 1977, 176.]

Beides kann in der Pfingstpredigt aufgegriffen werden, die verbreitete Angst und Verschlossenheit wie die Öffnung der Welt gegen die »Heidenangst« durch die Osterbotschaft.

 

Predigt

Sie hatten sich alle an einem Ort zusammengefunden, ...

die Jünger damals zu Pfingsten, und sie hatten aus Furcht oder Angst die Türen fest verriegelt.

Das kann man wohl von uns nicht sagen! Am Pfingsttag befinden sich heutige Jünger an verschiedensten Orten, schwärmen aus, die freien Tage zu nutzen und das schönere Wetter anderswo. Kurzurlaub oder Ausflug ist für viele angesagt. Von verriegelten Türen also keine Spur. Im Unterschied zu jenen Jüngerinnen und Jüngern damals sind wir Christen heute frei und unerschrocken. Vor wem sollten wir uns fürchten. Angst wie sie? Nein, das haben wir nicht!

Doch wenn ich mich selbst genauer anschaue, ...

bin ich mir da nicht so sicher: Da fällt mir das ungute Gefühl ein vor anspruchsvollen Aufgaben, Weiche Knie, flauer Magen: Werde ich den Erwartungen gewachsen sein?

Werde ich der Verantwortung gerecht in meinen seelsorglichen Aufgaben?  Ich denke an Tränen der Angst und Sorge um vertraute Menschen.  Ich spüre die Not an Krankenbetten und die unendlich lang werdenden bangen Minuten mit einem Sterbenden. Das Herzklopfen, die zugeschnürte Kehle, das alles ist ganz und gar nicht so fern.

Und damit bin ich sicher nicht allein.

Unter der sichtbaren Oberfläche von Geselligkeit und Lachen verstecken sich nicht selten Unsicherheit, Ängstlichkeit, Heidenangst.

Was empfindet jene 50-Jährige, die sich zum dritten Mal bewerben und vorstellen muss? ? Was empfindet jener Jugendliche, der zur Ausbildung von zuhause weg muss, in eine fremde Umgebung? Werde ich den Vorstellungen gerecht? Werde ich zurechtkommen, Freunde finden? Und was verspüren seine Eltern? Wird unser Kind seinen Weg gehen? Ganz alltägliche Situationen und banges Fragen, Sorge, Angst.

Wo so viel von Freiheit und Ungebundenheit, von Karriere und Lebenslust geredet und gezeigt wird, da scheint unter der Decke umso mehr die Kehrseite zu bedrängen.

Angst, meine Schwachstellen zu zeigen, weil die Anforderungen so hoch sind; Angst, vor den anderen nicht bestehen, nicht mithalten zu können, ausgelacht zu werden, zu verlieren und das alles auch schon erlebt zu haben: Das sind Wurzeln für Mutlosigkeit und hängende Schultern und nicht selten auch für Alkohol und Tabletten und in Schulden führendes Über-seine-Verhältnisse-Leben. Und nicht zuletzt für steigende Patientenzahlen in unseren psychiatrischen Zentren.

Und wie geht es einer Frau oder einem Mann, bei deren Vorsorgeuntersuchung der schlimme Verdacht von Krebs aufkommt? Ängstliches Warten auf das Ergebnis, drückende Sorge um die Familie, vielleicht erschütternde Gewissheit und Todesangst.

Nein, Angsthasen sind wir alle nicht, ...

... solche Angst ist echt und nicht als bloße Ängstlichkeit abzutun oder mit einem Trostpflästerchen zu überkleben. Jeder von uns kennt seine Angst und seine Not darin und braucht sich damit nicht zu schämen. Sie ragt in unser Leben herein wie bei den Jüngern und Jüngerinnen damals, trotz aller Offenheit und Ferienstimmung und Fröhlichkeit. Auch bei uns kann sie mächtig werden, uns den Schlaf rauben, gefangen nehmen und niederdrücken. Gerade in dieser aus dem Lot geratenen Welt und Zeit.

Bei den Jüngern damals ...

... kam der Auferstandene durch die verriegelten Türen mitten in die ängstliche Runde. Er versucht nicht, ihnen die Furcht auszureden oder kleinzureden. Das hilft nicht. Er zeigt ihnen, dass er um ihre Angst weiß, indem er ihnen die Zeichen seiner eigenen Angst zeigt, seine Wunden. Sie sind Male seiner Angst der Verlassenheit, seiner Angst um seine Freunde, seiner Angst vor den Schmerzen und dem Tod. Aber er zeigt sie ihnen als Auferstandener! Und dadurch werden sie auch Zeichen der Hoffnung: Leben ist stärker als der Tod, Liebe mächtiger als der Hass. Zukunft ist weiter als unsere Vorstellung und Glaube tragfähiger als die angstmachende Wirklichkeit.

Unsere Angst kann uns niemand ausreden

Und nichts kann uns vor den Situationen der Angst bewahren, kein Kraut ist dagegen gewachsen und kein Wohlstand schützt davor. Angst gehört zu unserem Leben.

Aber wir können uns in unserer Angst Mut machen lassen von dem auferstandenen Christus. Er haucht seinen Geist in diese Welt. Und damit ist sein Wunsch »Friede euch!« (Joh 20,21) nicht billige Trostformel, sondern kraftvolle Verheißung. Er haucht den Geist in diese Welt, den Mutmacher, der gegen den kalten Angstschweiß und den zugeschnürten Hals und das bange Herzklopfen frische Hoffnung gibt.

Der Geist Gottes ist da

Uns ins angstbleiche Gesicht gehaucht und ins bange Herz. Er ist da, der Geist Gottes, der den Vater mit dem Sohn verbindet, der ihn unser Leben teilen lässt, ihn auferweckt und lebendig macht. Er ist da der Geist Gottes: Hoffnungskraft gegen die Zukunftsangst und Glaubenskraft wider die Heidenangst.

Er kann uns ermutigen, dass wir in unseren Ängsten nicht davonlaufen und uns in den Sorgen nicht einigeln, sondern öffnen und anderen anvertrauen, sie um Nähe, um Rat fragen. Er kann uns ermutigen, dass wir uns in unseren Unsicherheiten nicht verkriechen, sondern uns mutig weitertasten, dass wir festgefahrene Beziehungen nicht aufgeben, uns vielmehr Neuanfänge zutrauen, dass wir uns in der Trauer nicht verhärten, sondern weinend Hoffnung schöpfen, dass wir uns in Schuld nicht verstecken, sondern um Vergebung bitten.

Und der Geist Gottes kann uns ermutigen, anderen in ihrer Angst zu helfen. Zu überwinden, was Angst verursacht. Oder, wo es nicht in unserer Macht liegt, wenigstens ein offenes Ohr zu bieten, Verständnis zu zeigen, die Schulter hinzuhalten, an der sich ein Mensch ausweinen kann. Der Gottesgeist kann uns bewegen, nicht nur Stärke gelten zu lassen, sondern auch Schwäche: Dass ein Vater einen Fehler zugibt, kann einem Kind mehr Lebensmut machen, als wenn er nur den starken Max mimt.

Und der Gottesgeist kann uns Mut machen, über unsere Möglichkeiten hinaus auf Gott und seine Möglichkeiten mit uns zu vertrauen und dieses Vertrauen zu zeigen: Wenn eine Mutter ihrer Tochter glaubensmutig vertraut, kann das mehr stützen und zusammenhalten, als wenn sie ihr nur ihre Sorgen vorhält.

 

Der Geist Gottes, dessen Zeichen das Feuer ist, ...

... will uns Mut machen, unseren Glauben zu bezeugen, Rechenschaft zu geben vom Grund der Hoffnung, die in uns ist. Bescheiden und ehrfürchtig (vgl. 1 Petr 3,15–16), den Menschen und Gott gegenüber, und gleichzeitig mutig, als begeisterte Menschen, als entflammte Menschen, deren Glaube andere zum Interesse anstecken, deren Funke überspringen kann. Christen, die mutig hoffen, Christen, die mutig lieben und mutig glauben, sprechen mehr Glaubenssuchende und Glaubensskeptiker an als jene, die vom Mehltau der Resignation gefangen über den Glaubensverlust unserer Zeit klagen oder sich hinter die verschlossenen Türen, in die geschlossenen Reihen eines christlichen Ghettos zurückziehen, um ihren klein gewordenen Glauben ängstlich zu bewahren. Glaube gewinnt Kraft im Hinausgehen, im mutigen Zugehen auf andere: Der Heilige Geist redet durch uns, wenn wir uns den Herausforderungen stellen (vgl. Mt 10,19; Mk 13,11).

 

Jesus tritt durch die Verriegelungen ...

... in die Runde der Verängstigten, er tritt in unsere Mitte, haucht uns seinen Geist ein. Beten wir um seine Kraft. Lassen wir ihm Spielraum, dass er seine Macht entfalten kann. Man muss die Segel in den Wind setzen, damit sich das Schiff bewegt. Öffnen wir uns wie ein Segel für den frischen Wind des Heiligen Geistes. Drehen wir unser Leben in seinen kraftvollen und leisen Wind, dass er in unsere ängstliche Seele hineinweht und uns bewegen kann. Beten wir um seinen Rat, um seine Weisheit und Einsicht, dass er uns die Riegel der Angst öffnet und aufleben, frei atmen lässt.

 

Warum ich an Pfingsten über die Angst rede?

Gibt es nichts Schöneres? Ich rede darüber, weil sie einfach da ist, und ja, es gibt Schöneres: den Hoffnungsträger, den Mutmacher für uns und alle um uns herum, den Geist Gottes und seine Zukunft. Mit ihm können wir mutig leben: Gott lebt mit seinem Geist mit uns, öffnet uns seine Zukunft. Das mitten in der Angst und Bedrohtheit zu erkennen und zu glauben und zu feiern, ist Pfingsten: Komm, Schöpfer Geist, wider die Angst und Mutlosigkeit, belebe uns, mache uns neu und deine Kirche.

Predigt von Pfarrer Weiß, deutlich angelehnt an den Vorschlag von Clemens Stroppel in „Dienst am Wort“ 2019

 

Christi Himmelfahrt – Spuren Jesu in der Welt - 30. Mai 2019

Himmelfahrt – das ist das Fest des endgültigen Abschieds Jesu. Doch Jesus hinterlässt seine Fußspuren in unserer Welt. Durch seine Fußspuren ist Gott selbst in dieser Welt gegenwärtig.
Auch wenn Jesus in der Himmelfahrt zu Gott zurückkehrt, ist sein Leben, seine Botschaft, sein Wirken nicht mehr aus der Welt wegzudenken - seine Spuren bleiben hier, breiten sich aus. Und seine Spuren sind vielfältig: Christentum ist aus unsrer Welt nicht mehr wegzudenken! Durch die christliche Botschaft hat sich die ganze Welt verändert.

Spuren Jesu in der Welt

Was wäre die Welt ohne die christlichen Werte? - Ohne Glauben, Hoffnung und Liebe; ohne den Glauben so vieler Menschen an die Auferstehung; ohne den Einsatz für die Ärmsten in allen Ländern.

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, wäre ohne das Christentum nicht denkbar geworden; in vielen Religionen ist sie untergeordnet (wie im Islam, im Buddhismus und Hinduismus). Die Botschaft und das Handeln Jesu hat ein langsames Umdenken bewirkt - ein Umdenken, das auch heute noch andauert und noch immer zu keinem Ende gekommen ist; ein Wermutstropfen dabei (oder auch Stachel): es ist eine Botschaft, die die katholische Kirche selbst für sich erst wirklich voll entdecken und anerkennen muss!! Hier hat Jesus Spuren hinterlassen, in die die (katholische) Kirche erst hineinwachsen muss …

Den Fußspuren Jesu, begegnen wir auf Schritt und Tritt. Gerade im Blick auf Franziskus und auf alle, die nach seinen Regeln versuchen, den Fußspuren Jesu zu folgen: Jesu Fußspuren finden sich dort, wo Mensch als Ebenbild Gottes im Mittelpunkt steht; ohne Ansehen der Person, der Macht, des Geldes - sondern als Geschöpf, als Kind Gottes. Seine Fußspuren finden sich in den Armen, die sich aufmachen; in den jungen Menschen, die für eine Zukunft auf die Straße gehen, in welcher es noch eine lebenswerte Erde gibt.

Blickrichtung

Ein Zweites, das mir am Himmelfahrtstag auffällt, ist die Reaktion der Jünger auf die Himmelfahrt. Sie stehen da, vielleicht mit offenem Mund, und staunen; was sollen sie tun? Jetzt ist der Herr endgültig weg. Irgendwie ratlos und hilflos sind sie, die großen Apostel auf deren Fundament unsere Kirche ruht!
Doch da kommt das Wort der Engel: "Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und gafft nach oben?" - Nicht der Blick nach oben ist nun gefragt, sondern der Blick in die Welt. Sie sollen nicht Vergangenem nachtrauern, sondern vorausblicken. Letztlich ist es die Frage nach dem Blickpunkt: Unser christlicher Blick soll auf dem Hintergrund von Ostern nicht ein zaudernder, verlassener, ratloser sein; es soll ein Blick sein, der offen ist; Blick, der sicher ist aus dem Wissen: Wir sind hier nicht alleingelassen, sondern Gott ist mit uns. Die Fußspuren Jesu sind rundherum sichtbar; sein Geist wirkt in uns und mit uns. Wir sehen ihn nicht - aber er ist da.

Nicht zufällig ähnelt die Szene jener Szene am Ostermorgen, als die Frauen und die Jünger zum Grab Jesu kommen – und der Engel / die Engel ihnen sagt: Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Geht…

Logische Fortsetzung der Auferstehung

Ich begegne Gott im Nächsten neben mir. Dies ist die Botschaft der Himmelfahrt. Der Himmel beginnt schon hier und jetzt, wo ich Christ bin.

Heimkehr zum Vater als Verwundeter

Ein Letztes schließlich, das mir bei der Feier von Christi Himmelfahrt wichtig ist: Jesus fährt auf zum Vater mit seinen Wundmalen; mit seinen schönen und schweren Erfahrungen des Lebens. Und damit nimmt er unser Menschsein und alle Freuden und Verwundungen unseres Lebens mit zu seinem Vater. All unsere Freude und unser Leid – es ist nun bei Gott; er weiß darum. Und dies ist mir etwas sehr Tröstliches: An einen Gott glauben zu können, der mich nicht erst dann liebt, wenn ich vollkommen gut, vollkommen losgelöst von irdischen Banden bin – sondern der mich mit meinen Verwundungen annimmt und liebt. Mit der Himmelfahrt Jesu ist das Menschliche, das Menschsein, auf immer ins Göttliche eingeschrieben und mit ihm verbunden.
Fußspuren Gottes in der Welt zu sehen; diesen Fußspuren zu folgen - und vertrauen zu können, dass diese Fußspuren zu Gott führen – das zeigt dieses Fest. Pfarrer Hermann Weiß

Nach Vorlage von Johann Pock, Predigtforum 2019

Predigt vom Gemeindefest 26. Mai 2019

Liebe Festgemeinde, Schwester und Brüder!

Haben sie schon gewählt im Blick auf Europa und im Blick auf die Orte, an denen wir wohnen, also kommunal? Wenn nicht, sollten Sie es noch tun!

Sie haben eine Stimme und wir sollten sie nutzen, auch wenn sie unwichtig erscheint. Demokratie lebt auch dadurch, dass wir Menschen, unsere Stimme denen geben, die in unserem Namen dann ihre Stimme erheben in Rathäuser, in Parlamenten.

Während der Woche, gerade am 70. Geburtstag des Grundgesetztes der BRD, las ich in einem Brief aus dem 3. Jh. - und ich war ganz elektrisiert, in einem so alten historischen Werk - "Diognetbrief" genannt - (nach dem Adressat) folgende Gedanken zu finden: ["Auf welchen Gott vertrauen die Christen?" -Warum glauben sie weder den Juden noch den Griechen?"]

"Die Christen sind Menschen wie die übrigen. Sie unterscheiden sich von den anderen nicht nach Land, Sprache oder Gebräuchen. Sie bewohnen keine eigene Stadt, sprechen keine eigene Mundart… und ihre Lebensweise hat nichts Ungewöhnliches…

Sie folgen den jeweils einheimischen Gesetzen in Kleidung, Nahrung und im ganzen übrigen Leben.

Wie sie jedoch das Leben gestalten, zeigen sie eine unglaubliche Besonderheit.

Sie wohnen zwar in ihrer Heimat, aber wie Zugereiste aus einem fremden Land. Jede Fremde ist ihnen Heimat und jede Heimat Fremde.

Sie gehorchen den Gesetzen, überbieten sie aber durch ihr eigenes Leben. Sie lieben alle Menschen und doch werden sie verfolgt.

Sie werden beschimpft, doch sie segnen.

Sie tun Gutes und werden dennoch bestraft, als wären sie böse.

Um es kurz zu sagen: Was die Seele im Leib ist, das sind die Christen in der Welt.

Die Seele durchdringt alle Glieder des Leibes, die Christen alle Städte der Welt. Man sieht, dass die Christen in der Welt sind, aber ihre Frömmigkeit ist verborgen.

Die Seele ist im Leib eingeschlossen und doch hält sie den Leib zusammen.

Gott hat die Christen auf eine hohe Warte gestellt und sie dürfen ihr nicht entfliehen."

Soweit dieser Brief.

Wow, das ist einmal ein erhellendes Wort. Ein Signal: So sollen die Christen sein: Seele für die Welt. Seele für Europa, Seele für die Stadt, die Gemeinde, wo sie wohnen. Welch eine hohe Berufung, eine hohe Würde.

Jesus nennt es in der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums: "Ihr seid das Licht der Welt…Ihr seid das Salz der Erde…"

Mich haben diese Worte begeistert: Ja, das ist es. Weg mit der Verzagtheit: Was kann ich schon ausrichten?! Weg mit der Gleichgültigkeit: Was ist schon meine Stimme wert?!

Gott sei Dank gibt es Mensch, die sich zur Wahl stellen, die sich politisch einbringen, die für unsere Sache, für unserer Werte eintreten! Unterstützen wir die, von denen wir glauben, hoffen, dass sie unsere Überzeugungen vertreten im europäischen Parlament, in den Rathäusern, in den politischen Gremien und Ausschüssen, die haupt- oder ehrenamtlich sich engagieren.

Wie soll sonst der Friede erhalten bleiben in Europa? Wie sollen "unsere" Anliegen eingebracht werden in den Rathäusern.

Wir Christen müssen nicht dauernd das Wort vom "christlichen Abendmahl" vor uns hertragen; manchmal sind auch große Worte notwendig und es ist gut, wenn jemand gut sprechen kann, aber wichtig ist dann, ob das, was gesagt wird, auch übereinstimmt mit der Tat, dem tatsächlichen Leben. Schauen wir aber wahrhaft hin und wählen wir und unterstützen die "hohe Würde aller Menschen" wie es unser Grundgesetz ausdrückt.

Ja, ich finde es großartig, wenn es in unserer Gemeinde italienische und kroatische Menschen gibt, die sich einbringen, die ihren katholischen Glauben im Gottesdienst und zum Beispiel bei einem Gemeindefest einbringen, wenn sie hier vor Ort katholische Gemeinde bilden, wo Menschen aller Völker Europas, ja Menschen aller Kontinente ihre Überzeugung als Christen leben… Seele der Stadt, der Gemeinden, Europas.

Ich finde es schade, wenn sie zu gering voneinander denken, und wenn wir uns minderwertig vorkommen! Das bringt nur Missgunst, Neid, Eifersucht…hervor. Das sind aber nicht Früchte des Heiligen Geistes. Freude, Fried, Standhaftigkeit, Geduld, Wohlwollen. Das sind Früchte des Geistes, den Jesus uns verheißen hat, als ER sich von den Jünger verabschiedete und ihnen ein Testament mitgegeben hat.

 

Am Ende der Lesung aus der Apostelgeschichte ist vorhin die Vision des Paulus erzählt worden: Nachdem er und seine Begleiter in den Dörfern und Städten Kleinasiens, der heutigen Türkei, keinen Erfolg ihrer Verkündung Jesu sahen, hörte er die Worte: "Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!" Auf diese Vision hin wollten sie sofort abfahren nach Mazedonien, denn sie waren überzeugt, dass "uns Gott berufen hat, dort das Evangelium zu verkünden".

So begann die Geschichte des Christentums in Europa.

Welch kleiner Anfang! Sie begründeten kleine Gemeinden im heutigen Griechenland, in Thessaloniki zum Beispiel. Über die Jahrhunderte wurden Christen zur Seele Europas. Es hat lange gebraucht, bis sie aus den Jahrhunderten der Verfolgung herauskamen, bis sie groß in der Öffentlichkeit anerkannt wurden… mit der Gefahr, dass sie zu groß und zu gewalttätig ihre Sache vertreten hat.

Aber die gute Sache, wie Christen Seele der Welt werden, das können wir sehen an Menschen wie Bonifatius und Lioba, die übrigens aus Angelsachsen, dem heutigen England, aufs Festland kamen und wohl geholfen haben, dass eine Kultur der Liebe und des Friedens aufkam und sich oft auch - Gott sei Dank - durchsetze. Aber natürlich ist Kultur immer auch in Gefahr, dass sie verloren geht, dass sie verändert wird bis hin, dass Hass entsteht und Terror und Gewalt, dass Mauern hochgezogen werden und Zäune, Stacheldraht, dass Konzentrationslager, Abschiebelager entstehen.

Denken wir an Menschen wie Don Bosco und Johannes XXIII - unsere Namenspatrone der Kirche in Riederich - Italiener übrigens, oder an Nikola Tavelic oder Cyrill und Methodius, kroatische bzw. slawische Heilige. Denken sie an Brigitta von Schweden, Katharina von Siena, Edith Stein, wie sie auf der Ikone zu sehen sind.

Denken sei an Menschen wie den Heiligen Martin, wie die Heilige Elisabeth von Thüringen oder an eine Mutter Teresa - Albanerin - die in den Slums von Kalkutta gewirkt hat - Seele der Stadt in völlig fremdem Umfeld, mitten unter Menschen anderer Religion, von vielen dort hochheilig verehrt.

Die bekannten Heiligen sind von unendlich vielen unbekannten Heiligen umgeben…Menschen, die wir mit Recht ehren, zum Beispiel eine Mutter, einen Vater oder auch Robert Schumann - noch nicht heiliggesprochen, aber ein französischer Politiker, ledig, katholisch; mit großer innerer Kraft hat er sich für ein Europa der Vaterländer eingesetzt, für ein Europa, das von christlichem Wert geprägt ist und zum Frieden der Welt beiträgt.

Jesus hat uns den Beistand verheißen, der uns daran erinnert, was er gesagt und getan hat, und uns erinnert, wer wir sind: Salz der Erde, Licht der Welt.

Mit Bonifatius und anderen Glaubensboten hat das Christentum in unserem Land um sich gegriffen. Vielen scheint es, als breche gerade eine große Tradition des Glaubens zusammen. Als Papst Johannes II 1980 zum 1. Mal als Papst nach Deutschland kam, sprach er in Fulda am Grab des Heiligen Bonifatius davon, dass das Christentum in SEINEM Geist neu aufbrechen möge. Ja, geben wir unsere Stimme und werden wir Zeugen des Friedens, seien wir Seele der Welt, Seele in unserer Stadt, in unserer Gemeinde, in Europa. Amen. Pfarrer Hermann Weiß