Talita Kumi in Ecuador

Seit Jahren 1985 unterstützt u.a. die St. Bonifatiusgemeinde Metzingen die Arbeit von Frau Amen und seit 1988 das Mädchenprojekt Talita Kumi in einem Armenviertel in der 2 Millionen-Stadt Quito in Ecuador. Alle Formen von Gewalt, Ausbeutung, Chancen- und Hoffnungslosigkeit prägen das Leben vieler Kinder und Jugendlichen dort.

Frau Thekla Amen, die zuletzt am 12.4.2012 zu Besuch im Eine-Welt-Ausschuss und über die Entstehung von Talita Kumi und ihrer Arbeit dort erzählte, lebt mit ihrem Mann seit 1978 in Ecuador und hat Talita Kumi mit aufgebaut hat.

Sie schickte uns aus Quito folgende Informationen über die Fundación CAMINOS DE ESPERANZA (quasi der Trägerverein) und das Projekt Talita Kumi:

Im Haus TALITA KUMI I leben 14 Mädchen und 3 Kinder (Stand: April 2014). Das Haus Talita Kumi I im Süden Quitos ist die Anlauf- und Auffangstelle des Projektes. Die Mädchen werden nur mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung in das Haus aufgenommen. Hier ist die Fluktuation ziemlich groß. Selbst, wenn die Jugendlichen zunächst dableiben wollen, entschließen sich etliche von ihnen, zu ihrer Familie zurückzukehren. Nach 14 Tagen wird seitens der Sozialarbeiterin ein Familienbesuch vorgenommen, um die familiären Hintergründe der Probleme des Mädchens zu erkunden. In der Talita Kumi I bleiben die Mädchen bis zu maximal drei Monaten. Wenn sie sich entschließen können, den Erziehungsprozess der Talita Kumi anzunehmen, wechseln sie in die Talita Kumi II über.

Im Haus TALITA KUMI II in Tumbaco (ca. 30 km außerhalb von Quito) leben 26 Mädchen und 12 Kinder (Stand: April 2014) zu 30 Mädchen. Sie haben einen Monat Zeit, das Leben in der Talita Kumi II kennenzulernen. Danach entscheiden sie sich, ob sie an dem Erziehungsprozess teilnehmen wollen.  Wir bezeichnen die Talita Kumi II als „Wohn- und Ausbildungshaus“. Drei Elemente sind wichtig:

  • Die persönliche Formung
  • Die schulische Ausbildung
  • Berufliche Grundkenntnisse

Die angebotenen verschiedenen Kurse sind für alle verpflichtend. Derzeit absolvieren sie alle einen hauswirtschaftlichen Kurs. Darüber hinaus versuchen wir, den Mädchen zumindest den Abschluss der Grundschule, gegebenenfalls  den „Ciclo Básico“  (zu vergleichen mit dem deutschen 7.-9. Schuljahr) zu ermöglichen.

Die Mädchen können in der Talita Kumi II – je nach Bedarf  – bis zu 2 oder 3 Jahren bleiben.

Jährlich kommt etwa 100 Mädchen im Haus Talita Kumi Hilfe zuteil.

Viele weitere Informatioonen zur Talita Kumi gibt es hier: Ökumenischer Arbeitskreis Talita Kumi und Förderverein Talita Kumi e.V. in Erftstadt-Lechenich.

In der Talita gibt es auch eine Stelle für ein Freiwilligenjahr. Interessierte wenden sich bitte direkt an den Verein Talita Kumi e.V. Organisation und Entsendung über weltwärts - die Freiwilligen wohnen dabei in Familien, nicht in der Talita.

Firmlinge und der KGR-Eine-Welt-Ausschuss  der Gemeinde verzieren und verkaufen jedes Jahr Osterkerzen für das Projekt.

25 % des ersungenen Geldes der Sternsingeraktion der Bonifatiusgemeinde jedes Jahr gehen an Talita Kumi.

Aus dem Haushalt der Kirchengemeinde gingen 2011 5.100 €, 2012+2013 je 5.500 €, 2014-2016 je 6.000 € an das Projekt.

Spenden für Talita Kumi nimmt das Pfarramt in bar entgegen oder per Überweisung auf folgendes Konto: Katholische Kirchenpflege Metzingen - IBAN: DE80 6405 0000 0000 9066 78 - BIC: SOLADES1REU -- Verwendungszweck "Talita Kumi".

Rundbriefe und Berichte

Der Förderverein Talita Kumi e.V. in Erftstadt-Lechenich schreibt regelmäßige Rundbriefe, die Sie hier herunterladen und lesen können:

 

Ältere Rundbriefe (vor 2015) sind im Pfarramt einsehbar.

Der Film "Talita Kumi" lief im Oktober 2015 im Metzinger Kino

Am Montag, 5. Oktober, lief der Film "Talita Kumi" im Rahmen des Montagskinos im Filmtheater Luna in Metzingen. Anschließend gab es ein reges Filmnachgespräch mit Daniel Dördelmann, einem Vorstandsmitglied des Talita Kumi e.V. Erftstadt-Lechenich.

Der Filmabend fand in Zusammenarbeit mit Thomas Zecher von der Medienakademie Metzingen und dem Filmtheater Luna statt. 400 € Spende der Besucher/innen und 1.000 € aus dem Haushalt der Kirchengemeinde konnten am Ende des überaus interessanten Abends durch den Eine-Welt-Ausschuss übergeben werden.

Nähere Infos zum Film hier.

  • Artikel in der Südwestpresse am 7.10.2015 hier
  • Artikel im GEA am 2.10.2015 hier.
  • Artikel in der Südwestpresse am 22.9.2015 hier, am 9.9.2015 hier.

Der Producer Daniel Volmer hat auch eine Homepage.

Zur Filmpremiere "Talita Kumi" am 21.9.2014, die der Eine-Welt-Ausschuss organisiert hatte, kamen 120 Personen in den Bonifatiussaal. DANKE für 720 € Spenden für das Mädchenprojekt.

Artikel dazu im GEA am 18.9.2014.

Der Film auf DVD kann auch im Pfarramt ausgeliehen werden. Der Trailer zum Film.

Fotos

Bericht Talitha Trost vin Ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr 2020 in Talita Kumi

In einem für mich sehr eindrucksvollen Gottesdienst wurde ich am 19. Januar dieses Jahres von der St. Bonifatius Gemeinde in Metzingen verabschiedet, denn einen Tag später startete ich meine Reise nach Ecuador, um dort meine Freiwilligenarbeit zu beginnen. Seit vielen Jahren ist die St. Bonifatius Gemeinde ein wichtiger Unterstützer der sozialen Einrichtung „TALITA KUMI – CAMINOS DE ESPERANZA“ in Ecuador. Im Rahmen meiner Firmvorbereitung habe ich im Oktober 2015 zum ersten Mal von diesem Projekt erfahren, als wir alle zusammen den Film über die dortige Arbeit geschaut haben. Schon damals hat mich der Film sehr bewegt und ich bin froh, dass ich mit 18 dann endlich die Möglichkeit hatte, selbst Teil des Projekts zu werden. Im Januar hatte noch niemand geahnt, dass wenige Wochen später die Corona-Pandemie ausbrechen wird.

Die Hauptstadt Ecuadors heißt Quito und etwa 9km vom Zentrum der Hauptstadt entfernt liegt der kleine Vorort Tumbaco. Dort findet man eines der Häuser des Hilfsprojekts „Talita Kumi – Caminos de esperanza“. Den Namen möchte ich Ihnen gerne erklären. „Talita Kumi“ ist aramäisch für: „Mädchen“ oder „Lämmchen, steh auf!“. Dieser Name kommt aus einer Geschichte der Bibel, in der eine Familie um ihre tot geglaubte Tochter trauert. Jesus spricht ihr liebevoll zu „Talita Kumi“ woraufhin sie wieder erwacht.  „Caminos de esperanza“ ist Spanisch und bedeutet so viel wie „Wege der Hoffnung“ und das ist eine sehr gute Beschreibung für das Ziel des Projektes. Mädchen, aus einem schwierigen sozialen Umfeld werden dort in den zwei Häusern des Projekts aufgenommen und aufgerichtet und ihnen wird Hoffnung auf eine gute Zukunft gegeben. Dank der Hilfe von Erzieherinnen, Lehrern, Psychologen und vielen weiteren helfenden Händen, haben die Mädchen die Möglichkeit, eine Schulbildung zu genießen und erhalten die Anfänge einer Berufsausbildung. Nebenher lernen sie nähen, kochen, backen, bekommen Hilfe bei ihren Hausaufgaben und lernen die Grundlagen im Umgang mit dem Computer. Durch die Ausbildung und die emotionale Bindung werden die Mädchen von den helfenden Menschen begleitet und auf dem Weg der Hoffnung geführt, bis sie irgendwann stark genug sind, um auf eigenen Beinen zu stehen. Die Mädchen sollen irgendwann ein eigenständiges Leben führen können. Dieses Ziel ist allen im Projekt sehr wichtig, deshalb ist das Projekt auf Nachhaltigkeit angelegt und soll keine kurzfristige Lösung sein.  Das Hilfsprojekt wurde aufgebaut und seit vielen Jahren geleitet von Thekla Amen. Die aus Deutschland stammende Leiterin ist eine wichtige Bezugsperson für die Mädchen. Zurzeit kann sie nicht im Projekt sein, da sie zur Risikogruppe gehört und ich habe gemerkt, dass die Mädchen sie sehr vermissen.

Meine ersten Eindrücke

Ich kann mich noch genau daran erinnern, welche Gedanken mir durch den Kopf gingen, als ich das erste Mal eines der Häuser der Einrichtung betreten habe. Ich wusste, dass ich gleich circa 30 Mädchen begegnen werde, die alle eine sehr schwere Vergangenheit hinter sich hatten und deshalb habe ich mir vorgestellt, dass es sehr lange brauchen wird, bis sie sich mir öffnen. Aber ich wurde mit so einer Herzlichkeit empfangen, die ich nicht erwartet hatte. Ich konnte gar nicht begreifen, dass diese Mädchen, die so viel Leid und Schlechtes erlebt hatten, so viel Liebe ausstrahlen konnten und es hat auch gar nicht lange gebraucht, bis ich die Mädchen in mein Herz geschlossen hatte.

Ausbruch der Corona-Pandemie

Umso schwerer viel es mir, als Ende Februar das Coronavirus auch nach Ecuador kam. Sollte ich zurückfliegen, solange ich noch kann und meinen Aufenthalt in Ecuador schon so früh beenden, oder sollte ich auf ungewisse Zeit bei meinen Mädchen bleiben? Ich habe mich entschieden dort zu bleiben und schnell habe ich gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war, denn vor uns stand eine schwierige Zeit: Nur noch wenige Mitarbeiter kamen zu uns in das Haus, weil natürlich auch wir die Kontakte einschränken mussten und da die Mädchen nicht mehr zur Schule konnten, brauchten sie mehr Hilfe als sonst bei den Hausaufgaben. Normalerweise bekommt das Projekt mindestens einmal pro Woche eine Lebensmittellieferung von einem Supermarkt. Doch in der Krisenzeit wurden diese Lieferungen schnell weniger und auch die Qualität der Waren wurde schlechter. Anfangs hatten wir noch relativ viele Vorräte, aber diese wurden natürlich auch Stück für Stück verbraucht.

Die Mädchen haben sehr unter dieser Situation gelitten. Natürlich haben sie auch gemerkt, dass wir weniger Essen als sonst hatten und ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele Mädchen dadurch an ihre Vergangenheit erinnerten. Mir tat es sehr leid, dass die sonst so wissbegierigen Mädchen durch die Hauswände eingegrenzt wurden. Davor haben wir jede zweite Woche alle zusammen einen Ausflug gemacht. Da das zu Coronazeiten aber nicht mehr möglich war, mussten wir uns Beschäftigungen im Haus suchen.

Aktivitäten während der Corona-Pandemie

Viele Mädchen haben gerne gebacken, also haben wir zusammen das eine oder andere Rezept ausprobiert. Unter anderem haben wir Spätzle gekocht, die sehr gut angekommen sind. Ganz oft haben die Mädchen mich gefragt: „Talitha? Wann machst du wieder Spätzle?“ bzw. sie sagten: „… diese Nudeln aus Deutschland“, weil es ihnen sehr schwer gefallen ist „Spätzle“ auszusprechen. Neben dem Backkurs gibt es auch den Nähkurs, der von der Erzieherin Rosita geleitet wird. Rosita kommt normalerweise morgens in das Projekt und geht abends wieder nach Hause. Doch während der Krisenzeit ist sie mit uns zusammen im Haus geblieben, damit die Mädchen weiterhin nähen lernen können. Somit haben die Mädchen auch im Nähatelier Möglichkeiten gefunden, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. In dieser Zeit wurden Kleider, Schürzen und Gardinen bestickt, Röcke, Kissen und natürlich auch Masken genäht.

Wir hatten das Glück, dass wir einen Garten hatten, d.h. dass wir auch mal rausgehen konnten, wenn es im Haus doch zu langweilig wurde. Wir haben oft zusammen Fußball, Baseball oder Basketball gespielt. Es gab spannende Spiele zwischen den Mannschaften Ecuador und Deutschland. Besonders große Freude kam auf, als wir immer mal wieder die Früchte von den Bäumen aus dem Garten ernten durften. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Avocado vom Baum gepflückt und ich habe Früchte probiert, die ich noch nie gesehen habe, zum Beispiel Guayaven oder Cherimoyas. Und wie man das von Früchten so kennt: Je höher sie hängen, desto besser und süßer sind sie. Also sind wir die Bäume bis ganz nach oben geklettert. Andere Male haben wir die Nachmittage einfach so genossen und haben mit den Kindern gespielt und entspannt.

Eine Sache, die die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Mädchen besonders gut gepflegt hat, war das gemeinsame Essen. Davor haben wir immer zusammen gebetet und jeweils ein Mädchen hat gesagt, wofür sie dankbar ist und wofür sie bittet. Meistens haben wir das Gebet mit einem gemeinsamen Vater Unser oder einem Ave-Maria abgeschlossen.

Abschied

Viele schöne und viele schwere Momente habe ich mit diesen Mädchen erlebt, die jetzt einen Platz in meinem Herzen gefunden haben. Als ich schließlich doch noch ein Flugzeug Richtung Heimat gefunden hatte, habe ich gemerkt, dass die Fundation Talita Kumi nicht nur für die Mädchen ein Zuhause geworden ist, sondern auch für mich. Ich hoffe, dass ich sobald sich die Lage mit Corona wieder beruhigt hat, wieder zurückkann und hoffentlich einige der Mädchen wiedersehen kann.